Interview: XERION
Titel: Ein Herz für die Heimat

Melancholischer Celtic Black Metal aus dem Nordwesten Spaniens, genauer gesagt aus Galicien – ohnehin beileibe nicht alltäglich, verwundern diese vier entflammten Mystikerseelen die Hörer auch noch mit einiger Musikqualität. Denn in Sachen Langspielalbum debütieren die Iberer Xerion gegenwärtig mit ihrem blitzartig packenden Mondanbeter-Kultteller „Nocturnal Misantropia“, einer ebenso hochinniglich zelebrierten wie absolut inbrünstig anmutenden Angelegenheit. Das Anhören dieses so nachhaltig aufwühlenden Seelenfängers gleicht glatt einer gespenstischen Mitternachtswanderung im tosenden Gewittersturm durch die hohen Bergketten der Heimat des Quartetts selbst. Und Bandgründer Nocturno rackert sich bei Xerion nicht nur als Gitarren-Malocher und Stimmband-Extremist ab, sondern preist im Zwiegespräch auch voller Hingabe die tiefe Liebe zur Schönheit seiner geographischen Region.

„In allererster Linie repräsentiert der Name meiner Band auf Art einer Hommage meinen Stolz auf ganz Galicien. In der uralten Mythologie meiner Heimat war Xerion der Name für den Gott des Todes. Im Weiteren drehen sich auch meine Songtexte darum: Ich beschreibe in den Kompositionen auf `Nocturnal Misantropia` beispielsweise historische Passagen und antike Mythen Galiciens, sowie auch die überaus reizvolle mystische Natur unseres Landstrichs: Ihre magischen Nächte, wie der Mond über die alten Wälder zieht, aber auch die Kälte und den Regen darin. Sämtliche Lyriken für diese neue Scheibe habe ich in unserer urtümlichen Sprache verfasst, welche noch heute im Nordwesten der iberischen Halbinsel gesprochen wird“, erläutert mir der Mann der Überzeugengen, welcher seine Musik seit Jahren auf Tonträgern veröffentlicht, die im allertiefsten Genre-Untergrund zirkulieren.

Doch, so Nocturno im Weiteren, hat er beim Schreiben seiner Songtexte auch Freude daran, sich kryptisch und metaphorisch zu äußern. „Und das ganz besonders dann, wenn ich meine misanthropischen und nihilistischen Gefühlswallungen damit wiedergebe – welche nicht selten sogar selbstdestruktive Tendenzen innehaben. Zuweilen neige ich dabei auch dazu, meinen melancholischen Ausbrüchen Rechnung zu tragen oder mich nostalgischen Anwandlungen zu ergeben. Letztlich aber thront über allem, was ich auch kreiere, stets der schwarze Schatten des Todes.“

Und dabei verschwendet dieser Kerl löblicherweise keinerlei schnöden Gedanken daran, was andere über sein Treiben wohl denken mögen. Der Galicier proklamiert unumwunden: „Ich bin nicht im Geringsten daran interessiert, welche Genre-Fans meine Musik am Ende nun gut finden oder welche nicht. Denn ich schreibe meine Musik und meine Texte genauso genommen einzig für mich. Schön, wenn es einigen gefallen sollte, was ich tue – und wenn nicht, juckt mich das wirklich überhaupt nicht. Denn ich persönlich sehe mein irdisches Dasein als nichts anderes an als die end- und erfolglose Suche nach meinem Selbst, die nicht von Erfolg gekrönt sein kann. Einzig Erleuchtung findet jemand wie ich darin, seine im Inneren lodernden Visionen zu Klängen zu transformieren. Klänge eben, wie sie von Xerion gemacht werden.“

© Eckbert, 24.04.2008

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