Interview: THRUDVANGAR
Titel: Lernen vom Alten

Der künstlerisch stabile 2004er Albumvorgänger „Ahnenthron“ versprach viel – doch der aus dem sächsischen Anhaltiner Land stammende Epic Viking Metal-Trupp Thrudvangar hält sein musikalisches Wort, wie nun mit dem neuen Langspieler „Walhall“ ebenso tatkräftig wie eindrucksvoll unter Beweis gestellt wird. „Allen Edlen gebiet ich Andacht, Hohen und Niedern von Heimdalls Geschlecht; ich will Walvaters Wirken künden, die ältesten Sagen, der ich mich entsinne...“ – so lautet das programmatisch zu verstehende Motto des Cöthener Sextetts.

Laut Gitarrist Christian heißt der Landsitz des germanisch-heidnischen Donnergottes Thor Thrudvangar, was im Deutschen soviel wie „Land der Stärke“ bedeutet. „Der tiefere Sinn lag für uns eigentlich darin, dass wir einen Namen haben wollten, welcher passend zur Thematik und zum bekanntesten Symbol dieser Mythologie, dem Thorhammer, am nächsten steht. Da war dieser Bandname einfach nahe liegend.“

Im Anschluss daran ließ es sich der Saitenartist nicht nehmen, etwas Grundsätzliches klarzustellen: „Wir sind Thrudvangar – und nicht irgendeine andere Band, mit denen wir immer wieder gerne verglichen werden. Das geht schon seit Veröffentlichung der ersten Scheibe „Ahnenthron“ so. Denn in diesen Moment, wo das Vergleichen losgeht, wird doch ohnehin nur gehorcht, was bei uns schlechter beziehungsweise bei den anderen besser ist und umgekehrt. Da wird sich überwiegend auf das wesentliche Musikhören nicht mehr konzentriert. Doch unsere Musik selber präzise zu beschreiben ist für mich eigentlich stets recht schwer. Der eine nennt es Viking Metal, der andere Pagan Metal, andere wiederum kamen schon mit der Bezeichnung Melodic Black Metal daher. Also, es ist schon weit gefächert, was wir so kreieren, da auch alle in der Band in Sachen Metal fast alles hören. Und das versuchen wir auch immer wieder mit einzubringen in unsere Musik. Aber im Laufe der Jahre wurde es größtenteils als Viking Metal bezeichnet – und so haben wir dann auch nichts dagegen einzuwenden, so angekündigt beziehungsweise stilisiert zu werden.“

Die mit großem Enthusiasmus agierende Gruppe wurde 2001 durch Tastenknecht Andreas, Stockschlagmann Torsten, Bassist und Vokalist Sven sowie ihm selbst formiert, wie Christian mir kundgibt. „In dieser Aufstellung kam auch die erste Scheibe „Ahnenthron“ 2004 heraus. Im selben Jahr verließ uns Sven dann auch aus persönlichen Gründen. Daraufhin stiegen Tieftoner Gunter, Sänger Matze und der zweite Axtschwinger Kanne bei uns ein, und es wurde munter weiter gemacht. Erreicht haben wir eigentlich alles beizeiten von dem, was wir uns einst vorgenommen hatten. Denn wir wollten einfach nur Musik machen die uns selbst gut gefällt. Ziele hatten wir uns nie bei der Sache gesetzt, da wir auch nie gedacht hätten, dass es jemals soweit wie aktuell gehen würde. Der Traum innerhalb einer jungen Band besteht ja immer daraus, auch einmal eine eigene CD heraus zu bringen, so auch bei uns – und da jetzt nun schon die zweite CD von uns kommt, sind wir quasi über unser Ziel schon weit hinausgeschossen, im positiven Sinne gesehen. Doch für uns als Gruppe besteht der eigentliche, der hauptsächliche Sinn unseres Treibens darin, überhaupt als Band zusammenarbeiten zu können. Da unser Musikgeschmack innerhalb der Band ja wie erwähnt weit ausgedehnt ist, vor allem in Sachen Metal, kann jeder seine eigenen Vorstellungen und Ideen mit einbringen. Die Art der Musik, denke ich, bestimmt auch nicht das Genre – sondern vielmehr der Text, beziehungsweise die Aussagen, die zu dieser Musik gemacht werden.“

Die allergrößte künstlerische Inspiration ist bei Thrudvangar eigentlich immer das Probieren neuer Melodien, welche von Einflüssen unterschiedlichster Herkunft sind, so Christian im angeregten Gespräch. „Das kann durch das Lesen eines spannenden Buches verursacht werden oder durch einen guten Film – eben diverse Inspirationen, welche das Aufgreifen von Themen anregen sowie die nachfolgende Umsetzung in der Musik von uns, entweder auf spielerische oder lyrische Weise. Ganz im Speziellen ist es das alte Sagenumwobene der germanisch-heidnischen Mythologie, die uns praktisch immer wieder dazu auffordert, uns damit zu identifizieren. Das Wissen um die Geschichte und das Lernen vom Alten. Leider werden diese alten Sachen heute immer mehr vernachlässigt.“

Die neue Scheibe „Walhall“, wie auch schon „Ahnenthron“, wurde von dem Sechser im eigenen Studio aufgenommen. Christian berichtet mir hierzu: „Von daher konnten wir uns auch die Zeit nehmen, alles in einer Dauer von einem ganzen Jahr über aufzunehmen – was das Arbeiten daran natürlich sehr viel entspannter gemacht hat. Zwei Lieder der neuen CD hatten wir schon in instrumentellen Versionen fertig, bevor unser Sänger Matze bei uns eingestiegen ist. Die lagen komplett fertig vor und er hat dann den Liedtext später draufgeschneidert. Zwei andere Songs von „Walhall“ sind schon älter und befanden sich auf einem Demo, welches wir 2003 schon einmal in einer Auflage von 100 Stück veröffentlicht hatten. Als dann aber das Album „Ahnenthron“ erschien, wurden wir häufig gefragt, warum diese Lieder nicht mit drauf wären – also entschieden wir uns für das nächste Album diese zwei Lieder noch mal neu aufzunehmen.“

Die allermeisten Melodien für die epischen Thrudvangar-Kompositionen bringt Stromorgelspieler Andreas als Idee mit zur Gruppenprobe, wo jeder dann seine Blitzgedanken mit dazu einwirft. Christian präzisiert: „Andere Lieder entstehen dann nicht selten während dem Proben beim eher entspannten Üben; oftmals sogar genau dann, wenn wir mal keine Lust haben, das ganze bereits bestehende Song-Programm immer wieder durchzuziehen. In einem solchen speziellen Fall spielt einer von uns einen Ton an, und der Rest der Band steigt dann nach und nach mit ein. Das sind dann aber auch meistens die besten Lieder. Andere, mit denen wir irgendwann dann nicht mehr weiterkommen und ewig hängen bleiben an einer Stelle, werden von uns dann immer sofort weggeschmissen. Da waren dann zwar auch schon mal ganz gute Sachen beziehungsweise Ideen mit dabei, aber wenn man ewig rumbastelt ist es ja auch nichts Richtiges. Die besten unserer Lieder entstehen meistens innerhalb einer halben bis dreiviertel Stunde.“

Und was schließlich die Liedertexte im Vergleich zur Musik bei unseren ambitionierten Cöthener Epik-Helden angeht, so muss laut Christians Aussage beides zusammen passen. „Wenn wir einen aussagekräftigen Text am Start haben, dann muss unsere Musik diesen gut untermalen können, um den Hörer mit einbeziehen zu können. Der Hörer muss sich mit den Texten auch identifizieren können, denn sonst nützt auch die beste Musik meiner Meinung nach nichts. Aber unsere Anhänger setzen sich mit den Thrudvangar-Texten glücklicher Weise vollauf auseinander. Nach Auftritten haben wir stets viele Gespräche mit dem Publikum, in welchen es dann auch immer wieder um unsere Texte geht. Das ist glaube ich bei dieser Musikrichtung auch ein wichtiger Aspekt, der die Leute reizt auf die Musik einzugehen.“

Nicht nur von mir, auch von anderen Magazinen haben die sechs sächsischen Musiker bereits erste Eindrücke zu ihrem neuen Album bekommen, so Christian. „Und natürlich auch aus dem Freundeskreis lassen wir uns gerne die Meinung geigen. Doch auch die waren, wie dein Review zu „Walhall“, eigentlich durchgehend positiv. Alle Stimmen dazu sind uns natürlich sehr wichtig, doch letztendlich muss es in erster Linie uns gefallen, was wir als Musikgruppe so kreieren.“

Den Zugang zur Spiritualität und den herrlichen Mythen der Vergangenheit suchen heutzutage immer mehr Menschen. Und auch wenn viele Akteure und Konsumenten dabei wie gewohnt nur oberflächlich denken und handeln, so ist der Gitarrist in diesem Kontext der Meinung, dass es primär von Relevanz ist, dass der Grundgedanke der Sache überhaupt dabei mitgetragen wird. „Ja, auf jeden Fall, da es vor allem auch immer mehr Menschen werden, die sich damit beschäftigen. Wie es nun ein jeder praktiziert oder sein Leben da hineininterpretiert, das muss am besten ganz individuell entschieden werden. Wir haben auch schon viele kennen gelernt, die ihr ganzes Leben danach ausrichten, was einem aber in der heutigen Zeit sehr schwer gemacht wird.“ Von Letzterem können sicherlich viele von euch ein trauriges Lied singen.

Wie Christian mir im Weiteren in aller Offenheit bekundet, interessiert er sich persönlich meistens für die Bands aus der zweiten Reihe. „Da man dort ja viel öfter die erhoffte hohe Spielfreudigkeit und den Zugang zu den vermittelten Inhalten findet. Natürlich gibt es daneben aber auch Bands, deren Namen von oben bis unten durchs Land schallen, deren Musik klasse ist und die auf einem gutem Niveau sind.“

Die Möglichkeiten zu Bühnenauftritten häufen sich für Thrudvangar von Jahr zu Jahr, wie der nachfolgende Gesprächsverlauf mit sich brachte: „Das ist echt klasse, da wir eigentlich sehr gerne live spielen. Nur leider gibt’s auch immer wieder mal diverse Veranstalter, die einem immer einen Strich durch die Rechnung machen. Sprich: Diejenigen, die erst zusagen, um dann aus irgendwelchen Nonsensgründen wieder abzusagen. Das ist ganz schön ärgerlich, wenn man bereits anderen Veranstaltern zum selben Termin abgesagt hat. Aber langsam können wir ernsthafte Angebote von den anderen doch sehr gut unterscheiden, so dass wir solchen Leuten nicht hinterherlaufen müssen.“

Auf den Bühnenbrettern geben sich die sechs Cöthener Wikingermetaller laut Christian stets wie sie sind. „Ab und an, wenn es erlaubt ist, kommen schon mal ein paar Fackeln mit auf die Bühne für die Optik, aber das war es dann auch schon. Wir gehen rauf und machen eigentlich nur das was das Publikum auch macht, nämlich nach Herzenslust Feiern und die Matte schütteln. Auf den Festivals mit streng begrenzter Spielzeit schafft man es ohnehin auch gar nicht, vorher und nachher alles so schnell auf und abzubauen. Da spielen wir lieber fünf Minuten länger dafür.“

Und Thrudvangar liebäugeln mit einer Tour zum neuen Album „Walhall“: „Aber das wird sich erstmal noch nach hinten verschieben, da so etwas weitgehend geplant sein muss, schon alleine wegen dem ganzen damit verbundenen Arbeitsaufwand. Ein neues Album? Wir werden natürlich weiter neue Lieder machen, ob da nun auch in Kürze was hinterherkommt – mal schauen. Für die nächste Zeit wollen wir aber jeden Auftritt der kommt mitnehmen, um die aktuelle Scheibe zu präsentieren. Eckbert, ich danke Dir fürs Interview und dein tolles Review zur neuen Scheibe „Walhall“. Und großen Dank an all die Leute vor der Bühne, für die klasse Stimmung auf jedem Konzert von uns. Hailsa + Skol!”

© Eckbert, 28.06.2006

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