Interview: STURMPERCHT
Titel: Tradition verpflichtet

Allerlei Bass-, Rhythmus- und Akustikgitarren, Trommeltakte, Akkordeon, Flöten, Stromorgel, Hurdy Gurdy nebst verspieltem Violingefiedel dienen diesem wahrlich oberkauzigen Musikantenhaufen aus der Alpenrepublik Österreich als Klangerzeuger. Und Sturmpercht besingen ihre urig-köstlichen Kompositionen auf ebenso ungewöhnliche Art und Weise als wie sie auch zum fidelen Waldestanze aufspielen. Allein schon die ebenso kecken wie verschworen anmutenden Gruppenportraits führen Interessierte bereits genau auf die richtige Fährte. Sehr löblich also in einer immer befremdlicher werdenden Zeit, in welcher es purer Individualismus immer schwerer zu haben scheint. Mehr oder weniger authentische Neofolk-Gruppen beziehungsweise -Projekte gibt es bekanntlich viele, doch mit seinen erdig-schlitzohrigen Bergbauernliedern steht das österreichische Oktett stilistisch ziemlich allein auf weiter Flur – sehr große Eigenständigkeit also, die man da genießen darf. Zu gleichen Teilen mystischen als auch humorigen „Alpine Folk“ bietet auch das aktuelle Album, die interessante Liedersammlung „Schattenlieder“, welche den programmatischen Untertitel lautet „Eine kleine Nachtmusik für Berggeister und Waldteufel“ trägt. Bereits mit dem ergötzlich verschroben kreierten Vorgängeralbum „Geister im Waldgebirg” konnten die Kerle sich bereits ein massives Szene-Standbein setzen. Mit „Schattenlieder“ stehen Sturmpercht also jetzt felsenfest auf künstlerischem Grund. Neu hinzugestoßen zum Männerbund ist Waldwuudz, welcher Gesänge, Lyriken, Gitarren-, Orgel- und Trommelwerke beisteuert – profunde Szenekenner wissen, dass sich der Mann bislang primär durch seine Veröffentlichungen durch Vinterriket, Atomtrakt und jüngst auch mit Fräkmündt und Dânnâgôischd einen guten Namen machen konnte. Eine abgelegene moosig-feuchte Berghöhle diente uns als Unterschlupf für ein ebenso ausführliches wie unterhaltsames und informatives Zwiegespräch.

Bitte stelle euch Sturmpercht’n beziehungsweise dich selbst erstmal den Lesern ein wenig vor. Wo genau kommt ihr her, und wie ist es um die Neofolk-Musikszene in eurer jeweiligen Region so bestellt?

Waldwuudz: Servus Eckbert! Es gibt da nicht viel vorzustellen, würde ich sagen. Ich komme aus den Tiefen des Schwabenlandes und lebe seit einiger Zeit in der schönen Schweiz. Hier in der Gegend hat es keine „Szene“. Ich kenne hier keine Sau, die Musik in diese Richtung horcht. Ich bin nunmehr seit 15 Jahren mit Musik beschäftigt und habe „nebenher“ noch etliche andere „geheime“ Projekte!

Akzeptieren euch die regulären Trachtenmusiker um euch herum? Und: Verbrüdert man sich gar hin & wieder beim gemeinsamen Trunke?

Waldwuudz: Dazu kann ich leider nichts sagen.

Wie wird man eigentlich „so“? Bestimmt musstest auch du wie ich beispielsweise viele Jahre durch die harte Schule des Lebens gehen – Kindergarten, Schule mit Überbringung beziehungsweise Eintrichterung christlicher „Heilslehre“ etc. Wann und wie erfolgte in deinem Fall die Abnabelung von konventionellen gesellschaftlichen (Verhaltens)Regeln?

Waldwuudz: Die „Abnabelung“ erfolgte sehr früh. Man wird wohl „so“ im Laufe der Zeit. Bier macht’s möglich! In der Zwischenzeit stehe ich über den Dingen, würde ich sagen. Sprich, ich mache wozu ich Lust habe und folge keinen so genannten „Trends“. Ich mache was ich will. Ob das anderen gefällt oder nicht ist mir wurscht.

Was steckt eigentlich hinter deinem Pseudonym “Waldwuudz”? Wie kam es zustande?

Waldwuudz: Dieses Pseudonym habe ich auch bei meinem Projekt Dânnâgôischd. Daher lag es nahe, es auch für Sturmpercht zu verwenden. Dânnâgôischd ist Waldmusi, passt also wunderbar. Wie du weißt, handelt ein Lied auf der neuen Scheibe vom „Dânnâgôischd“. Es steckt nichts Besonderes hinter dem Pseudonym. Es drückt lediglich meine Liebe zu den Wäldern aus.

Was ist deine ganz spezielle Bierphilosophie? Und welches Gebräu säufst du am liebsten? Schnäpse?

Waldwuudz: Bier ist wie Öl. Jede Maschine, jeder Motor funktioniert nicht ohne Öl! Auch menschliche Maschinen brauchen Schmiermittel. Ich bevorzuge lokale deutsche Biere. Kleine Brauerein. Schnäpse? Kräuter, Enzian, Zirben, selbstgemachter Tannengeist (aus Tannenspitzen), Zwetschgenwasser … es gibt keine Grenzen…

Aus welchen musikalischen Lagern rekrutieren sich die Hörer der Musik von Sturmpercht überwiegend? Welcher Fall ist dir als der „exotischste Hörer“ bekannt?

Waldwuudz: Ich habe keine Ahnung, wer der exotischste Hörer ist, tut mir leid. Die Hörer kommen aus ganz unterschiedlichen Ecken würde ich sagen. Neofolk, Ambient, Industrial, (Black) Metal ... keine Ahnung was die Leute so alles hören!

Du bist ja erst seit relativ kurzer Zeit mit dabei – wie trug es sich zu? Und wie gut klappt die Zusammenarbeit mit den anderen Musikanten?

Waldwuudz: Ja, ich bin noch nicht lang dabei, obwohl ich den Herrn Percht nun schon länger kenne und bei ihm auch mit all meinen Musikprojekten unter Vertrag bin. Angefangen hat alles mit der Idee, dass ich doch ein paar rohe Stücke für die neue Scheibe aufnehmen soll. Es hat dann alles wunderbar geklappt und plötzlich war ich voll dabei. Die Zusammenarbeit klappt wunderbar. Wir ergänzen uns gegenseitig, würde ich sagen. Jeder trägt seinen Teil zum grossen Ganzen bei.

Die verschrobene Kostümierung der Gruppe ist einzigartig – wie kam es dazu beziehungsweise was genau steckt da eigentlich dahinter?

Waldwuudz: Das sind eben wir! Das ist Ausdruck der alpinen Bergwelt, mit all ihren Legenden und Leuten. Es steckt nichts Besonderes dahinter. Es spiegelt Tradition, Bodenständigkeit und Urigkeit wider.

Das neueste glanzvolle Gruppenportrait zeigt dich beispielsweise mit Ohren/Stirnlappen-Fellmütze, Fellwams und Mistgabel – Hintergründe für solcherlei Auswahl an Staffage?

Waldwuudz: Hintergrund: Zu viel Bier! Das Bild entstand absolut spontan und war innerhalb von ein paar Minuten gemacht. Ich bin nun mal ein Landei. Was würde besser passen? Ich finde das Bild sehr gelungen.

Wie oft trefft ihr euch zum gemeinsamen Üben & gemütlichen Beisammensein? Oder läuft das eher via Mp3-hin-und-her-senden & Telefonieren ab?

Waldwuudz: Wir treffen uns nicht so oft, würde ich sagen. Alle zusammen höchst selten. In St. Koloman ist die Schaltzentrale. Dort werden die einzelnen Mitglieder hinbestellt, wenn es etwas zum aufnehmen beziehungsweise üben und so weiter gibt. Der meiste Kontakt läuft über das Weltnetz und über das Telefon. Das Problem ist eben, dass wir alle sehr beschäftigt sind und weit auseinander wohnen.

Wissen die meisten eurer Hörer ausreichend Bescheid über die Hintergründe zur ländlichen Tradition der Perchtenläufe etc.?

Waldwuudz: Das wäre ein gute Frage für den Herrn Percht persönlich (bezüglich Perchtenläufe). Er kennt sich darin bestens aus, würde ich sagen. Und lebt in einer Gegend, wo es von Perchten nur so wimmelt. Ich persönlich habe eher was mit der ländlichen Tradition am Hut, mit den Perchtenläufen eher weniger. Ich wohne seit jeher auf dem Land. Die einzige wahre Gegend.

Unternehmt ihr auch gemeinsame Wanderungen in die Berge etc.?

Waldwuudz: Ahm… Gemeinsame Wanderungen in die nächste Kneipe, das machen wir. Und wenn auf den Berg eine Strasse zur Alm führt, dann nehmen wir den Kraftwagen! So simpel ist das, hehe. Ist doch viel einfacher! Jedes Mal, wenn ich in Österreich bin, ist es lustig und heiter. Einfach schön dort.

Kannst du dich als stark naturverbundener Charakter überhaupt noch in einer überlaufenen Großstadt aufhalten, ohne dich erbrechen zu müssen?

Waldwuudz: Ich selber lebe seit Jahren auf dem Land und würde mich als sehr naturverbunden bezeichnen. In die Stadt geht man ab und zu zum einkaufen, mehr nicht. Ich war und bin ein Landei, und das wird auch weiterhin so bleiben. Ich habe den Vorteil, dass ich meinen Beruf zum Grossteil aus von zu Hause aus verrichten kann. Städte mag ich nicht. Zu viele Leute, zu viel Elend, zu wenig Natur.

Was ist in diesem Kontext dabei das bislang übelste Erlebnis für dich gewesen? Auf eine öffentliche Toilette gehen zu müssen? Oder als „lebender Luftfilter“ Abgaswolken von Lastern, Autos etc. wegschnaufen zu müssen?

Waldwuudz: Nein, viel besser: An einem Morgen in der Stadt hat ein Taxi an am Fußgänger- Überweg angehalten. Die Scheibe hinten ging runter und einer hat direkt auf die Strasse gekotzt. Das ist Stadt! In der Natur fällt das nicht so auf, hehe.

Sturmpercht läuft unter der Kategorie „Neofolk“, ein weitreicher stilistischer Terminus – könnte man bei euch nicht auch sagen, ihr spielt ganz einfach „Humorige Alpinfolklore“?

Waldwuudz: „Neofolk“ ist ein weitreichender Begriff. Sturmpercht spielen Alpine Folk, sind die Erfinder dieses Stils. Auf der aktuellen Scheibe hat es sicher ein paar Lieder, die als „Neofolk“ durchgehen würden, wie beispielsweise „Wildschütz Jennerwein“ oder „auf den Schwingen der Stürme“. Nicht alles was wir machen ist humorvoll. Viele der Lieder und Texte sind ernster Natur. Die Mischung zwischen Traurigkeit und Humor trägt auch zum Abwechslungsreichtum des Albums bei.

Worum genau drehen sich die neuen Liedertexte auf „Schattenlieder“ – Bücher? Sagen? Legenden?

Waldwuudz: Das Thema der neuen Scheibe war „Schattenlieder“. Die Texte handeln von der Jagd, den Bergen, Tieren, Legenden, Sagen und urigen Geschichten. Die Thematik beschäftigt sich ausschließlich mit der alpinen Welt, mit all ihren Legenden und Geschichten. Die Geschichten und Sagen sind allgegenwärtig. Teils in Büchern, teils durch mündliche Überlieferungen, teils in unseren Köpfen und Phantasien. Die Themen auf Schattenlieder sind recht vielseitig. „Wildschütz Jennerwein“ ist ein altes Volkslied aus Bayern. Der Tatzelwurm ist ein Urviech! Tannenwichtel wurde von mir geschrieben und dreht sich um die Wesen in den dunklen Wäldern der alpinen Welt. Zum Wolpertinger muss man wohl nicht viel sagen: „Er braucht die Erde und die Luft, den Weißwurst-, Bier-, und Brezenduft! „Nachtfratzen“ wurde ebenfalls von mir verfasst und dreht sich mehr oder weniger um die wilde Jagd. „Winterreigen“ ist eine Ode an den alpinen Winter. Meines Erachtens der beste Text ist vom Hans Haid („Wallfahrt“). „D’Forstwuudz onnd dr Dannagoischd“ handelt ebenfalls von den dunklen Seiten des Waldes.

Wie tiefgehend hat sich euer Texter mit den zugrunde liegenden Thematiken der neuen Liedertexte beschäftigt? Oder hat die Gaudi Vorrang?

Waldwuudz: Die einzelnen Texte sind sehr vielfältig und stammen aus der Feder vom Herrn Wind, meiner Wenigkeit, vom Gerhard und natürlich vom Herrn Percht persönlich. Es wurden auch viele alte Sagen, Geschichten und Legenden verbraten. Die Texte sind vielfältig und sehr abwechslungsreich. Viele der Texte und Lieder haben nichts mit Gaudi zu tun. Hör’ dir mal beispielsweise „Tränenkrug“ oder „Wallfahrt“ an. Die Texte, wie auch die Lieder sind sehr traurig und ernst. Natürlich aber sind Lieder wie „Jagagstanzl“ oder „Teufelsgeiger“ eher heiterer Natur.

Wer von euch kann am allermeisten Saufen & wer von euch erzählt eigentlich die allerdreckigsten Witze in eurem Trachtenhaufen?

Waldwuudz: Saufen? Ich natürlich, hehe. Wer denn sonst! Aber es sind nicht alle so schlimm wie ich, hehe. Für Witze haben wir keine Zeit! Wir kümmern uns um die Musi!

Was würdest du als euren eigentlichen Antrieb nennen, um genau diese Art von mordskauziger Traditionsmusik zu kreieren?

Waldwuudz: Keine Ahnung. Sturmpercht ist wild, verträumt, kauzig, naturbezogen und schräg. Den Antrieb kann ich dir leider nicht nennen. Die Hauptantriebe sind wohl der Spass an der Musik, Bier, die Liebe zur Natur…

Kommen wir nun direkt zur neuen Veröffentlichung „Schattenlieder“: Wie kam die darauf zu hörende stilistische Mischung denn zustande?

Waldwuudz: Die stilistische Mischung der Scheibe kam automatisch zustande. Durch die einzelnen Mitglieder, durch die einzelnen Hintergründe, durch die einzelnen Interessen. Ich würde sagen, dass wir alle sehr verschieden sind, beziehungsweise aus verschiedenen Richtungen kommen. Bei Sturmpercht verschmelzen dann die ganzen Sachen zu einem schönen, urigen und abwechslungsreichen Alpin-Folk-Gebräu!

Welche Art von Einflüssen und Inspirationen (Bands etc.) waren für diese neue Sturmpercht-Liedersammlung genau von Relevanz?

Waldwuudz: Ich würde nicht sagen, dass wir von irgendwelchen anderen Blaskapellen inspiriert wurden. Ich meine, man wird von allem um einen herum inspiriert. Ob das nun Bücher, Film oder Leute sind. Oft auch nur unterbewusst. Jeder von uns ist musikalisch vielseitig aktiv und bezüglich Musik vollzeitbeschäftigt. Das heißt, es kommen automatisch Ideen von den eigenen Musikprojekten der einzelnen Mitglieder. Ich beispielsweise höre mir viele verschiedene Sachen an und habe mit meinen eigenen Projekten bereist viele Facetten der Musikstile abgedeckt. Bei Sturmpercht schmelzen dann all die Idee zusammen: Aus den eigenen Projekten, aus der Gegend in der man lebt, aus der Vergangenheit, aus den Brauchtümern der Region.

Wie beziehungsweise in welche Richtung haben sich die musikalischen Interessen von Sturmpercht mit der Zeit so entwickelt?

Waldwuudz: Ich denke nicht, dass sich die musikalischen Interessen grossartig verändert haben. Wir kommen alle aus unterschiedlichen Ecken und musikalischen Richtungen. Das macht das Ganze auch so spannend. Wie du weißt, decke ich mit all meinen Musikprojekten bereits viele Sparten ab. Ich bin, was Musik betrifft, recht aufgeschlossen und immer neugierig. Solange die Musik gut, originell und sich aus der Masse abhebt ist mir fast alles recht. Die unterschiedlichen musikalischen Interessen der einzelnen Mitglieder machen Sturmpercht auch aus. Jeder kommt aus einer anderen Ecke und bringt die jeweiligen Einflüsse mit ins Gesamtwerk ein. Das Ganze verschmilzt dann zur unnachahmlichen Sturmpercht-Kunst. Es ist wichtig, dass man aufgeschlossen ist und sich auch Neuem öffnet. Sonst tritt man auf der Stelle. Ich kenne viele Leute, die seit Jahren oder Jahrzehnten das gleiche Black Metal-Geschrammel hören. Ob neu oder alt. Die ganze Szene tritt auf der Stelle, wie ich finde. Man muss sich den Dingen öffnen und neue Grenzen ausloten. Jedenfalls nicht immer Dasselbe machen. Wenn du dir die „Schattenlieder”-Scheibe anhörst, wirst du viele unterschiedliche Ansätze, Ideen, Richtungen und Einflüsse hören. Das macht Sturmpercht auch irgendwie aus. Kein Lied auf der neuen Scheibe klingt wie das andere. Und es wurden viele „Stile“ verbraten. Es hat auf der Scheibe, Neofolk-mässige Lieder, experimentelles Zeugs, knorziges und uriges Klanggut sowie auch einiges Abgefahrenes, was man so gar nicht erwarten würde.

Wie lange habt ihr für die Aufnahmen der neuen Lieder fürs aktuelle „Schattenlieder“-Album gebraucht, und wie hat euch die Arbeit daran im Großen und Ganzen gefallen? Wie leicht beziehungsweise schwer war das Ganze spieltechnisch umzusetzen?

Waldwuudz: Die Arbeiten an „Schattenlieder“ haben eigentlich bereits direkt nach der „Geister im Waldgebirg“ angefangen. Ideen sammeln, Ton- und Klangfetzen aufnehmen usw. Allerdings sind wir erst Anfang 2009 so richtig aktiv geworden und haben uns ernsthafter um die Sachen gekümmert. Ich hatte beispielsweise bis zum Sommer 2009 schon einige Lieder fertig komponiert, jedoch fehlte noch vieles. Hektisch wurde es gegen Herbst hin, wobei es in die Endphase ging. Ich war letztes Jahr ein paar Mal beim Herrn Percht in Österreich, wo wir einiges gemacht haben. Auf jeden Fall hat es viel Spass gemacht, auch wenn es manchmal ein Riesen- Gewurschtel gewesen ist. Alleine die Tatsache, dass die einzelnen Mitglieder weit voneinander weg wohnen, macht die Sache nicht einfach. Aber letztendlich klappt es doch immer irgendwie. Aber das macht es auch aus: Viele Individuen formen etwas grosses Ganzes: Urig, ehrlich und echt!

Wie sehr seid ihr mit dem vorliegenden Album-Endresultat zufrieden? Ich persönlich fand „Geister…“ ein wenig eingängiger.

Waldwuudz: Wir sind alle sehr zufrieden. Ich bin der Meinung, dass das neue Album den Vorgänger „Geister im Waldgebirg“ in den Schatten stellt. Das neue Album ist vielseitiger, interessanter, fetziger und auch eingängiger. Ich finde überhaupt nicht, dass es weniger eingängiger ist als der Vorgänger. Jedes Lied steht für sich. Hat man eines gehört, so hat man noch lange nicht alles gehört. Die neue Scheibe ist sehr abwechslungsreich. Alle Lieder zusammen formen das Ganze, machen „Schattenlieder” aus. Das neue Album hat mehrere „Kracher“ drauf, anders wie „Geister…“. Klar, man könnte immer noch hier und dort etwas herumfeilen und man würde im Nachhinein vieles anders machen. Aber Sturmpercht lebt von der Spontaneität, vom Urigen, …auch vom Moment. Und genau diesen sollte man nicht zerstören. Sprich, es bring oft nichts ewig lange an etwas herumzuschrauben, wenn das Resultat danach gekünstelt und nicht mehr ehrlich klingt. Sturmpercht ist ehrliche Musik, lebt von der Vielseitigkeit und von den Unterschieden zwischen den einzelnen Mitstreitern. Sturmpercht ist nicht perfekt und soll auch nicht so sein. Es würde ein grosses Stück an „Urigkeit“ verloren gehen.

Was kannst du mir über kommende Bühnenaktivitäten von Sturmpercht berichten?

Waldwuudz: Der letzte Auftritt liegt nun schon ein Weilchen zurück. Wir hatten eigentlich vor, dieses Jahr mal wieder ein wenig Präsenz zu zeigen. Auf der Bühne und neben der Bühne! Das Problem ist einfach, dass wir alle weit voneinander entfernt wohnen, und dass wir alle sehr beschäftigte Kerle sind. Das heißt, jeder hat Millionen anderer Sachen zu tun und zu machen. Dennoch haben wir vor, Ende 2010 mal wieder auf der Bühne zu stehen. Es ist noch nichts konkret, aber es gibt durchaus Pläne.

Wie hoch habt ihr Kerle mit der Gruppe eure Ziele für die Zukunft gesteckt?

Waldwuudz: Das nächste Album ist bereits in Arbeit und wird hoffentlich Ende des Jahres bzw Anfang 2011 das Licht der Welt erblicken. Die Arbeiten an der neuen Scheibe haben direkt nach der Veröffentlichung von „Schattenlieder“ begonnen. Mal schaun’, wie alles voran geht. Über den Stil beziehungsweise die Richtung kann ich dir leider noch nichts verraten. Es wird jedoch wieder ein typisches Sturmpercht-Album werden! Urig, knorzig, alpin, teils schräg, originell, fetzig… Auf jeden Fall wird es keine drei Jahre mehr dauern … so lange war nämlich die Zeit zwischen der Veröffentlichung von „Geister im Waldgebirg“ und „Schattenlieder“… es schwirren bereits wieder Tonaufnahmen durch das Unterholz und durch die nebelverhangenen Berge der alpinen Welt! In diesem Sinne: Zum Wohle & Prost!

© Eckbert, 02.08.2010

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