Interview: OAKENSHIELD
Titel: Im Namen der nordischen Mythologie

Die treibende Kraft hinter Oakenshield begann bereits unter dem Namen Nifelhel im Jahr 2004 als – und zwar als anfängliches Studioprojekt des jungen aber ambitionierten und talentierten Briten Ben Corkhill. Am Anfang war sein Klangwerk noch sehr rau und kriegerisch anmutend, aber mit der Zeit wurde der junge Enthusiast besser an seinen Instrumenten sowie beim Komponieren. Eines Tages hatte der Engländer dann die finale Vision für sein Schaffen: Er gründete Oakenshield – und mit additionalen, betont heroischen Keyboard-Epiken fand der beflissene Musikus schließlich seinen ureigenen künstlerischen Weg. Und „Gylfaginning”, das aktuelle Debütalbum von Oakenshield, bietet grandiosen Melodic Epic Pagan Viking Metal. Passionierte Liebhaber von bekannten Genre-Idolen wie beispielsweise Falkenbach, Månegarm, Týr oder guten alten Forlorn werden „Gylfaginning” sicherlich als ihren neuen Schatz feiern. Obwohl sie mit den schönsten Folklore-Elementen und tief bewegendem grimmigen Gesang randvoll angefüllt ist, enthält diese großartige Veröffentlichung mithin auch faszinierende Lyriken über die uralten nordischen Mythologien. Hierin zeigt der gute Ben sein großes Interesse für das erste Buch der berühmten Edda – daher war „Gylfaginning” die perfekte Wahl als Grundthema für das liebevoll gemachte Musikwerk. Und da ich großmajestätische und überepische Kunst wie die von Oakenshield bekanntlich von ganzem Herzen liebe, nahm ich mir unseren englischen Nachwuchshelden natürlich bei der erstbesten Gelegenheit für einen längeren Dialog zur Seite.

„Zuerst war das Schreiben der Songs für „Gylfaginning” eine entmutigende Aufgabe, aber als ich erst mal damit begonnen hatte, flogen mir die Ideen nur so zu. Komponieren beginnt für mich normalerweise mit einem bestimmten Riff oder einer Atmosphäre, die ich erzeugen möchte. Von da an folge ich einfach dorthin, wohin mich die Musik führt – so ist es jedenfalls öfters als andersherum. Ich musste mir die Geschichten dabei in musikalischer Form vorstellen, weil ich ja nach einem Konzept schrieb. Also las ich eine Passage oder ein Kapitel aus der Edda und dachte in meinem Kopf an eine Stimmung oder eine Aura, die der jeweilige Song erzeugen sollte. Manchmal konnte ich an gar nichts denken, ein anderes Mal schlichen sich die Ideen einfach so an. Ein Beispiel hierfür ist die Hauptmelodie von „Utgarda-Loki”, die mir spontan einfiel, als ich mich eines Abends vor dem Fernseher entspannte. Mit diesem Debütalbum habe ich versucht, dem Gefühl der Texte musikalisch zu entsprechen, beispielsweise beim Lied „Valhalla”, welches sehr majestätische Melodien und Refrains enthält, anders als eben „Vigrid“, das oft von einer Atmosphäre zur nächsten wechselt, um den Inhalt der Geschichte wiederzugeben. Es gibt auch Elemente von einigen Songs, die in anderen Liedern wieder vorkommen, um bestimmte Themen oder Vorkommnissen zu repräsentieren und so die Geschichten miteinander zu verbinden. Ich habe meine Texte jedenfalls so auf die Lieder umgelegt, dass ich erst die relevanten poetischen Passagen aus der Edda selbst benutzt habe und dann meine eigenen Textideen darum verfasst habe. Manchmal machen diese Passagen den größten Teil einer Komposition aus (beispielsweise „The Sons of Bor“) und manchmal sind sie nur eine Sektion wie beispielsweise bei „Yggdrasil“”, eröffnet mir Ben zu Beginn recht detailliert.

Diejenigen, die ihn persönlich kennen, wissen, dass man ihn kaum als „spirituelle Person“ bezeichnen kann, so der Multiinstrumentalist auf meine diesbezügliche Frage. „Ich lebe mein Leben eben in der realen, körperlichen Welt, um es mal so auszudrücken. Trotzdem hat Musik die unglaubliche Fähigkeit, die spirituelle Seite der Hörer zu erreichen und Emotionen und Sinne zu erwecken, von denen sie sonst nicht gewusst hätten, dass sie diese überhaupt in sich besitzen. Insofern würde ich sagen, dass ich neue und komplexere Wege suche, den Hörer zu erreichen und ihn an Musik zu interessieren. Nicht nur an dem, was man hört – sondern auch an dem, was die Musik einen fühlen lässt. Und tatsächlich gilt das Gleiche auch für mich selbst, wenn ich mir Oakenshield anhöre.”

Wie er mir nachfolgend zu Protokoll gibt, hat Ben unglücklicherweise nicht so viel Zeit wie er selbst gerne hätte, um sich in natürlicher Umgebung aufzuhalten. Wir erfahren: „Ich habe aber wenigstens das große Glück, auf dem Lande zu leben. Und ich versuche schon einen anständigen Teil meiner Zeit in der Natur zu verbringen, beispielsweise Waldspaziergänge, oder gelegentliche Besuche der Yorkshire Dales oder der North York Moore usw. Wenn ich wandere oder Campen gehe, mag ich es, die Umgebung auf mich wirken zu lassen und manchmal einfach nur dazusitzen und die Landschaft zu bewundern.“

So sind die allerschönsten Orte auf dieser Welt für Ben letztlich auch genau diejenigen, wo es im Umkreis von Meilen nur wenig oder gar keine Zivilisation gibt. Er verkündet dazu: „Das Land ist dort nämlich in der Regel noch unverdorben – und es wird alles von der Natur selbst gestaltet beziehungsweise erhalten. Auch Berge faszinieren mich, ihre bloße Größe ist ziemlich beeindruckend und lässt einen die Macht der Natur erkennen. Ich persönlich habe die Gipfel der drei höchsten Berge der britischen Inseln erklommen – aber die sind ja auch nur recht winzig im Vergleich zu den Höhen anderer Gebiete.”

Beispielsweise der asiatische Himalaya-Bereich, das größte Gebirge der Erde überhaupt, dessen Name sich aus Hima „Schnee“ und Alaya „Ort, Wohnsitz“ zusammensetzt, nördlich des indischen Subkontinents gelegen. Dort befinden sich die höchsten Berge der gesamten Welt, die majestätischen Achttausender: Mount Everest beispielsweise, Makalu, Lhotse oder auch Cho Oyu sind weltberühmt geworden. Und wer an die Himalaya-Region denkt, der denkt wohl auch ganz automatisch an die Tibeter. In einer Welt, in der es den Menschen absichtlich immer mehr an geistigen Festhaltemöglichkeiten fehlt, reiht sich auch die kommunistisch ideologisierte „Volksrepublik“ China in die rücksichtslose Liga der Kultur- und Identitäts-Nivellierer ein. Während also einerseits durch die anstehende „Olympisch effiziente Geldmach-Maschinerie“ in Fernost bereits hypnotische Umsatz-Melodien trickreich gepfiffen werden, kann die eklig-gierige Fratze des asiatischen Machthungers und der Intelligenz-Feindlichkeit ihre wahren Beweggründe mal wieder nicht verheimlichen. Zu verblendet und zu gleichgeschaltet ist das dortige System – und wieder einmal offenbart sich in aller Deutlichkeit, dass das blutige manische Streben nach absoluter Vereinheitlichung trotz vieler bisheriger Kriege und unsäglichen Leids noch immer in den indoktrinierten bösen Köpfen durch Korruption an die Macht gekommener „Saubermänner & weißer Westen“ nicht tot zu kriegen ist. Wem also auch nur ansatzweise das Wohlergehen der intellektuell jahrelang massiv unterdrückten und grausam drangsalierten tibetischen Bevölkerung am Herzen liegt, der muss ganz einfach auf seine innerste Menschlichkeit hören und den Olympischen „Spielen“ 2008 unweigerlich den Rücken kehren.

Doch zurück zu unserem britischen Melodic Epic Pagan Viking Metal-Künstler – dem es offenbar recht schwer fällt, einen realen Schlagzeuger an Land zu ziehen. Er legt zu diesem Kontext dar: „Ich bin eigentlich selbst Schlagzeuger, aber bei einigen Tracks von „Gylfaginning” reichten meine Fähigkeiten einfach nicht aus und außerdem klangen die künstlichen Schlagzeugklänge viel knackiger auf den Aufnahmen als der normale Sound, den ich mit meinem Equipment hätte erreichen können. Ich könnte wohl schon einen guten Drummer finden, wenn ich Anzeigen aufgeben würde, aber im Augenblick mache ich lieber alles alleine. Aber für die zukünftigen Veröffentlichungen werde ich mich wahrscheinlich mal umsehen.”

Besser wäre es, denn solcherlei betont heroische Kriegermusik bezieht einen nicht unerheblichen Reiz ja nicht zuletzt aus komplett handgemachter Erscheinungsweise. Ich fragte Ben, welcher für ihn der ideale Song auf dem neuen Debütalbum „Gylfaginning” ist. Er denkt ein wenig nach, dann spricht er: „Schwere Frage. Ich denke, jedes Lied hat seine individuellen Qualitäten; jedes repräsentiert seinen eigenen Teil der Sage und hat verschiedene Charakteristiken. Aber ich würde sagen, „Vigrid” ist mein persönliches Lieblingsstück, weil es das Ganze gut zusammenfasst. Es repräsentiert auch von allen Liedern die Thematik des Albums am besten.”

Wie der Oakenshield-Meister bereits erwähnte, gibt es auf dem aktuellen Debütalbum einige musikalische Ideen, die öfters wiederholt werden, weil „Gylfaginning” ein Konzeptalbum ist. Ben geht dazu gerne noch in die Tiefe: „Beispielsweise am Ende von „Utgarda-Loki” gibt es eine musikalische Sektion, die den Ärger Thors repräsentiert. Diese wird dann bei „Hymir” wiederholt, bei dem Thor die Hauptfigur ist. Ich denke, wenn man diese Technik benutzt, kann man die Charaktere, Vorkommnisse und Themen über das ganze Album verbinden, so dass der Hörer weiß, dass er durch ein Konzept geleitet wird anstatt elf einzelne Lieder zu hören, die untereinander keine Verbindung haben.”

Somit ist sein größter Stolz auf „Gylfaginning” das eigentlich Album als Ganzes selbst, wie er mir offenbart: „Ich hätte ehrlich gesagt niemals erwartet, ein offizielles Album zu diesem Zeitpunkt im Jahr zu veröffentlichen. Ich bin auch stolz auf die Produktion. Die Tatsache, dass ich mein eigenes (und daher etwas limitiertes) Equipment benutzt habe und alles bei mir zu Hause aufgenommen habe, ließ mich befürchten, dass dies die Klangqualität des Albums gefährden würde – aber ich bin glücklich damit und dem Plattenlabel geht es auch so. Das freut mich schon riesig. ”

Irgendwann kamen wir auf die obligatorische Frage nach den Lieblingsbands des Briten. Und Ben hat, laut eigener Aussage, in Sachen Metal eine lange Liste von Gruppen, die er liebt, aber natürlich gibt es für ihn auch einige wenige, die aus dem ganzen Rest herausstechen. „Bathory ist eine von diesen, weil es, wie jeder weiß, vor ihnen keinen Viking Metal gab. [Stimmt nicht ganz, Heavy Load waren vorher dran; A.d.A.] Viele Leute geben oft „Blood Fire Death” als den definierenden Wendepunkt in Bathory’s Musik an, aber für mich fand der Wechsel definitiv mit „Hammerheart” statt. In meinen Augen hat es niemals eine so wichtige Figur im gesamten Metal gegeben wie Quorthon, besonders für dieses Genre namens Viking Metal. Das Anhören von Bathory hat meine Sicht auf Metal total verändert. Auch einer meiner Favoriten sind Falkenbach, die natürlich auch ein großer Einfluss auf Oakenshield’s Musik sind. Für mich haben Falkenbach die perfekte Viking Metal-Formel gefunden: Große Melodien, epische Choralparts und zeitlose Songs, die ein einzigartiges und doch abwechslungsreiches Sound-Universum bilden. Meiner Meinung nach sind Týr im Augenblick die talentierteste Metalband der Welt. Heri Joensen ist für mich der innovativste und intelligenteste Komponist – nicht zu vergessen auch der beste Sänger – im heutigen Metal. Ihre Art, in der traditionelle Songs in den Metal eingebettet werden, ist sehr gut umgesetzt und ihre eigenen Kompositionen sind so speziell für diese Band, sie haben einen sehr eigenen Stil definiert. Ich habe die Jungs von Týr getroffen, als sie mit Amon Amarth gespielt haben. Zu dieser Zeit waren sie in England relativ unbekannt und so hingen sie nach dem Gig in den Bars rum. Also unterhielt ich mich mit ihnen für den Rest der Nacht. Sie waren wirklich bodenständige, nette Typen und es war klasse, dass sie dageblieben sind um Zeit mit den Fans zu verbringen. Und dann natürlich noch die Band, mit der alles für mich begann: Metallica. Obwohl sie in den letzten Jahren in Sachen Qualität ziemlich nach unten gerutscht sind, gehören sie noch immer zu den einflussreichsten Bands im Metal und einige ihrer alten Songs sind wohl die großartigsten Metal-Lieder aller Zeiten. Sie waren die erste richtige Metalband, die ich mochte und ich genieße ihre Musik heute noch genau wie damals. Es gibt aber auch noch ein paar Non-Metalbands, die ich als meine Favoriten bezeichnen würde: The Smiths and The Dubliners. Ich habe eben einen sehr speziellen Musikgeschmack”, grinst Ben verschmitzt während seiner Worte.

Weil wir gerade dabei waren: Warum er genau diese Art von Musik überhaupt spielt, wollte ich also anschließend von dem Kerl hören. Der kontert zügig mit seinem nächsten Statement: „Die einfache Antwort ist: Weil ich es liebe! Der Grund, warum ich begonnen habe, Viking Metal zu machen, ist, weil ich damals, als ich anfing meine eigenen Songs aufzunehmen, viel Amon Amarth, Bathory, Enslaved usw. gehört habe und von ihnen beeinflusst wurde. Zu dieser Zeit begann ich auch über nordische Mythologie zu lesen, was die lyrische Inspiration für mich mit sich brachte. Das Erschaffen solcher Musik erlaubt es mir, Elemente meiner Einflüsse zu nutzen, sie untereinander zu vermischen und so meinen eigenen Stil zu formen. Außerdem war ich nie gut darin, „normale” Texte zu schreiben. Viking Metal erlaubt es mir aber, bereits existierende Geschichten in meiner eigenen Art zu erzählen.”

Da lag meine nächste Frage im Interview-Gespräch nahe, wonach genau Ben bei der Entwicklung seines musikalischen Stils sucht. „Ich will nun erstmal einfach weiter machen mit meiner Musik, so dass es anders klingt als jetzt auf „Gylfaginning”. Wenn ich mir mein altes Material anhöre, also die Nifelhel-Aufnahmen, erstaunt es mich, dass ich so einen großen stilistischen Wandel vollzogen habe, ohne es wirklich zu merken. Es war einfach ein natürlicher Fortschritt. Ich will dem Hörer immer etwas geben, auf das er sich freuen kann, nicht nur ein „weiteres Oakenshield-Abum”. Ich bin nicht sonderlich daran interessiert, dass mich die Leute auf der Strasse erkennen oder so, aber ich will meine Musik an so viele Fans wie nur möglich rüberbringen. Ich will Erfolg haben für das Label und erreichen, dass Oakenshield sich einen guten Namen im Genre erspielen. Ich denke, in der Zukunft werde ich eher eine Fanbasis haben, die wirklich zuhört und meine Musik genießt, als Tausende Leute, die nur ein paar Lieder gehört haben.”

Was ja allemal erstrebenswerter ist. Seinen Arbeitsstil beim Kreieren der Kompositionen beschreibt Ben im Weiteren als zielstrebig, aber doch offen und generell relativ schnell: „Ich kann zwar ein Lied an einem Abend schreiben, aber genauso die nächsten drei Wochen emsig daran herumwerkeln, Teile herausnehmen beziehungsweise einbauen, dies oder das ändern. Beim Aufnehmen der Lieder kann ich ziemlich ungeduldig werden, aber ich stelle immer sicher, dass ich ein zufrieden stellendes Resultat erhalte – was manchmal dazu führt, dass ich rund um die Uhr wach bleibe, um an einem Lied zu arbeiten. Das Hauptproblem, beim Erschaffen von „Gylfaginning“ beispielsweise war die Tatsache, dass ich hier in England war, während Olaf von Einheit Produktionen, du, Eckbert, und der Layouter Digisteve drüben in Deutschland leben. Das bedeutete, dass die einzige Kommunikation zwischen uns per E-Mail stattfand, was manchmal die Sache ziemlich verlangsamt. Trotzdem haben wir gut zusammengearbeitet und das Platten-Label war fleißig am Entstehungsprozess beteiligt, was mir sehr geholfen hat – weil ich so was noch nie vorher gemacht habe. Am Ende haben wir es alle gut geschafft.”

Dann lockte ich Ben mit der Frage aus der Reserve, warum Anhänger des Genres seine CD „Gylfaginning” denn kaufen sollten. Er proklamiert mit aller Überzeugung: „Ich sage, „Gylfaginning” ist ein Album, das den Hörer auf eine Reise von der Erschaffung des Lebens selbst bis zur Zerstörung der Erde mitnimmt. Über das ganze Album werden viele verschiedene Sagen erzählt und die Vielfältigkeit der Geschichten wird durch die Musik repräsentiert, so dass es keine langweiligen Momente für den Hörer gibt. Das Album bietet einige Bandbreite an Struktur, Musik und instrumentaler Variation. Es wird immer etwas dargestellt, ein Ereignis, ein Charakter oder ein Thema. Das bedeutet, es ist immer ein Sinn hinter jedem Riff, jeder Melodie und Text. Eine Sache, die ich bei der Platte bemerkt habe, und das ist mir erst kürzlich aufgefallen, ist, dass die Songs keinen traditionellen Strukturen folgen. Weil jeder Song eine Geschichte erzählt, bewegen sich die Lieder mit den Geschehnissen der Geschichte, und daher wird ein frei fließendes Stück Musik geschaffen, welches nicht auf Refrains oder Chorusse zurückgreifen muss, sondern eher Sektionen der Geschichte, welche in der Richtung des Gesamtwerkes strukturiert sind. Oakenshield ist sozusagen eine sehr narrative Kraft. Eine andere Sache, die ich an meiner Musik gut finde, ist, dass sie Elemente aller Einflüsse hernimmt und einen eigenständigen Klang kreiert. Ich glaube nicht, dass es ein Stück auf dem aktuellen Album gibt, bei dem der Hörer sagt, es klänge wie der Song davor. Auf „Gylfaginning“ gibt es eben eine große Bandbreite an stilistischen Ansätzen. Ich habe das neue Werk unzählige Male gehört und kleine Dinge hier und da verbessert, bis ich wirklich zufrieden damit war. Ich bin sehr glücklich damit, das ganze Album alleine gemacht zu haben – und das hat mein Vertrauen auf meine eigenen kreativen Fähigkeiten sehr bestärkt, sowohl musikalisch als auch technologisch.”

Das letzte Buch, das Ben zu Ende gelesen hat, war „Der Herr der Ringe” – und zum Interviewzeitpunkt hängen seine Augen in einem nicht fiktiven Buch, so Ben: „Das heißt „The Vikings“ von Else Roesdahl. Ich kann es wirklich jedem an der Thematik Interessierten nur empfehlen.”

Wir kamen anschließend darauf zu sprechen, welches Tier Ben wohl gerne sein wollte, wenn er heute als eines wiedergeboren würde. „Eine faszinierende Frage. Ich würde wahrscheinlich sagen, ein Hund, ein Schäferhund. Ich hatte nie einen Hund, aber ich habe sie schon immer sehr gemocht. Sie sind wirklich der beste Freund des Menschen. Es wäre interessant einer zu sein.”

Bezieht sich Ben hinsichtlich seiner Zukunftswünsche auf seinen weiteren Karriereverlauf, so würde er laut eigener Aussage auch in einigen Jahren immer noch bei Einheit Produktionen unter Vertrag stehen. „Und live möchte ich auftreten, auf jeden Fall. Aber ich muss zuvor erstmal abwarten, wohin mich der momentan mögliche Weg letztlich führt. Ich hoffe, dass ich dann irgendwann auch als Tontechniker oder Produzent tätig sein kann. Und dass ich somit auch mit anderen Künstlern arbeite sowie selbst Oakenshield-Alben produziere.”

Aus seiner letzten Antwort entsprechend inspiriert, erfragte ich nachfolgend Ben’s persönliche Meinung zur internationalen Musikindustrie. „Die Hauptsache, die mir an der heutigen Musikindustrie auffällt ist, dass es Unmengen Bands, Künstler und Plattenfirmen gibt. Es ist sehr schwer wahrgenommen zu werden. Ich hatte mit Oakenshield viel Glück, weil ich es geschafft viel früher einen Vertrag zu bekommen als ich erwartet habe. Ganz ehrlich, ich hätte starke Reaktionen wie die von Einheit wie gesagt nicht vorhergesehen, aber das hat mir gezeigt, dass sie wirklich an Oakenshield glauben. Aber weil es so viele Bands gibt und Moden kommen und gehen, ist es schwer für die Musiker anerkannt zu werden – auch wenn sie sehr talentiert sind. Ich habe schon vorher in Bands gespielt, also weiß ich aus erster Hand, wie es ist, mit seiner Musik raus zu gehen – harte Arbeit. In der Metalszene ist in Europa gerade Folk- und Viking Metal im Aufschwung, wobei Bands wie Amon Amarth, Wintersun und Turisas den Weg vorgeben. Das ist eine gute Sache, weil es bedeutet, dass mehr Leute Bands von hoher Qualität hören, aber es hat auch seine Schattenseiten. Meiner Meinung nach scheint es eine Menge Metalfans zu geben, die Folk Metal als so was wie den letzten Schrei sehen und zu den Gigs gehen wegen des Erlebnisses, wegen des Spaßfaktors oder wegen was auch immer. Ich nehme an, diese Vorstellung basiert hauptsächlich aus der Sicht beziehungsweise Darstellungsweise bestimmter Gruppen, ich nenne hier aber keine Namen. Im Moment weiß ich nicht allzu viel über die Industrie als Ganzes, weil ich ja sozusagen auch gerade erst dazu gekommen bin. Aber ich freue mich darauf mehr zu lernen.“

Der Lebenstraum des Briten ist es nämlich, weiter Musik zu machen, die er mag, Leute dafür zu interessieren und zu berühren und insgesamt mit seiner Karriere als Musiker voranzukommen. „Ich möchte wie gesagt auch eine Laufbahn als Tontechniker oder Produzent beginnen, weil mir das erlaubt meine Liebe zur Musik mit meiner Liebe zur Musiktechnologie zu verbinden. Ich würde daher in Zukunft gerne mein eigenes Studio eröffnen, aber darüber muss ich mir im Augenblick noch nicht allzu viele Gedanken machen. Im Augenblick ist mein Lebenstraum ein langes Leben zu leben!” So möge es sein.

© Eckbert, 17.03.2008

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