Interview: NOMANS LAND
Titel: Hommage an den alten Norden

Das sonnige Frühjahr des Jahres 1996 brachte im fernen Russland, genauer gesagt in Sankt Petersburg die Gründung dieser musikalisch enorm wertvollen Viking Metal-Riege mit sich. Dominierten anfänglich noch diverse Doom Metal-Kompositionen die musikalischen Geschicke des ebenso enorm trink- wie auch spielfesten Wodka-Trupps, brachten obligatorische Besetzungswechsel nach und nach auch stilistische Änderungen mit sich – robustes nordisches Wikingermetall sollte fortan im eisigen Probebunker von Nomans Land geschmiedet werden. Zweifellos eine weise Entscheidung von künstlerisch profitabler Tragweite, wie sich rasch herausstellen sollte: Knapp an der Jahrtausendwende nahmen sie ihr nachfolgend hier und da auch in wenigen deutschen Underground-Mailordern gesichtetes Debütalbum „The Last Son Of The Fjord“ auf. Dieses markierte einen absoluten Topstart gleich vom Fleck weg. Nachfolgend wurden erste lokale Festivals bestritten. Jetzt präsentiert das erfreulich melodisch agierende Streitersextett ein neues Album – „Hammerfrost“.

„Im Moment arbeiten wir schon wieder an Material für das dritte Nomans Land-Album, und unsere Kreativität kennt schier keine Grenzen. Eine tolle Erfahrung, für uns alle, denn auch die Zusammenarbeit ist besser denn je zuvor. Das schlägt sich auch auf die Bühnenpräsenz nieder, so treten wir stärker und stärker zutage. Wir hoffen auf eine gute Zukunft für uns und die Band“, berichtet mir Gitarrist und Sänger Sigurd aus dem winterlichen Lager seiner fleißigen Truppe.

Mit dem Bandnamen versinnbildlichen die sechs Sankt Petersburger ihre Vorstellung von den Ländern der alten Wikinger, wie der Axtschwinger mir im Weiteren darlegt. „Die wunderschönen weiten Landschaften Skandinaviens haben es uns allen schwer angetan, natürlich auch all die dort gewobenen Mythologien. Viele Erdteile wurden von den Wikingern, diesen mutigen Seefahrern, erst entdeckt.“

An seiner nicht nur architektonisch überaus reizvollen Wohnstadt im Nordwesten von Russland hängt Sigurd ganz besonders, wie er mit aller Offenheit bekennt. „Wir leben dort nahe Finnland, manche nennen Sankt Petersburg auch die nordische Hauptstadt unseres Heimatlandes. Und wir alle lieben die Stadt in der wir leben, über alles. Der Fakt, dass Sankt Petersburg damals auf sumpfigem Gebiet erbaut wurde, addiert so einiges an sagenumwobenen Mystizismen hinzu. Diejenigen eurer Leser, welche Bücher von Dostojevski gelesen haben, dürften genau verstehen, was ich meine.“

Musikalisch geht dort jedenfalls auch so einiges ab. „Es gibt hier eine ganze Menge an Rock- und Metal-Bands, die auch viele Konzerte spielen. Und wir dürften ein sehr dankbares Publikum hier haben, denn live gehen die Leute schon wahnsinnig ab.“

Der epische Kriegersound von Nomans Land lässt auf so einiges zurück schließen. Ich versuchte daher, musikalische Einflüsse in Erfahrung zu bringen. Sigurd nennt erstmal Slayer und Amorphis. „Unser zweiter Gitarrist Torvald hört auch sehr gerne Amorphis, aber auch In Flames und Mithotyn. Unser Tieftoner Hjervard fährt voll auf Iron Maiden und Slayer ab, und auch unser Schlagzeuger Ainar liebt Slayer sehr.“

„Hammerfrost“, den hat wohl kein Mann gern an seinem Stiel. Muss auch niemand beim Hören der Scheibe befürchten, denn nachfolgend wird die wahre Bedeutung des aktuellen Albumtitels erklärt. Sigurd: „Der Titel „Hammerfrost” spiegelt das Feeling im Album wieder. Die Hörer sollen sich des Donnergottes Thor und seines Hammer Mjölnir vergegenwärtigen, sich den Frost und die eiskalten schneidenden Winde Yotuns vorstellen.“

Das fällt nicht schwer, bei solch tollen Liedern. Schwer vorzustellen hingegen, wer denn die ganzen exzellenten heroischen Tonfolgen für den silbernen Langspieler komponiert hat. Sigurd war es: „Ich arbeite generell die ganzen Melodien bei uns aus, während das Songwriting für Nomans Land im Ganzen von uns als Gemeinschaft umgesetzt wird. Wir erachten einen Song als fertig, wenn alle wirklich restlos mit dem Endergebnis zufrieden sind. Für uns ist es von entscheidender Wichtigkeit, im Kollektiv zusammen zu arbeiten und zusammen den Pfad der Kreativität zu beschreiten – egal, wie lange und voller Dornen er jeweilig auch sein mag. So entstehen manche Lieder ganz spontan beim gemeinsamen Jammen, andere wiederum benötigen Monate bis zu ihrer Vollendung.“

Hört man diese vollendeten Stücke, stechen immer wieder markant-männliche Chöre aus ihnen heraus. Der Gitarrist scherzt ausgelassen: „Die Chöre kommen uns immer wieder blitzartig in den Sinn – genau wie die oftmals peitschenden Winde aus Skandinavien. Wir wissen eben, wie wir den Wind einfangen.“

Eingefangen haben die sechs Russen auch eine ganze Menge an aufrüttelnden nordischen Atmosphären, welche mich diverse Rückschlüsse auf große Naturverbundenheit ziehen lassen. Man erfährt: „Unsere Musik ist sehr von den Mythologien und dem Polytheismus der Uralten beeinflusst. Es gab mal eine Zeit, in der die Leute noch eins mit der Natur waren, und die Naturgötter in spiritueller Weise den Menschen beim Überleben halfen. Diese Götter leben durch die Erinnerung in den Köpfen und Herzen der Menschen, so halten wir sie für uns jedenfalls am Leben. Denn die große Zeit Ragnaroks ist noch nicht gekommen.“

Mit ihren heldenhaften Liedtexten wollen Nomans Land also dem Leben der alten Wikinger und auch der alten Götter eine standesgemäße Hommage erbieten. „Das ist das Konzept des Albums – den Hörern über diese uralten Zeiten zu erzählen.“

Man kann abschließend nur hoffen, dass der russische Sechser auch zu uns übersetzt, um einige Konzertbühnen zu beehren, denn: „Um ehrlich zu sein, stehen wir eigentlich immer unter erwartungsvoller Hochspannung, weil wir uns so darauf freuen, live zu spielen. Live-Shows sind wie ein zweites Leben für uns und all die anderen Musiker hier. Wir fühlen uns sehr wohl auf den Brettern, denn wir sind nicht zuletzt auch immer wieder glücklich dabei, unseren Enthusiasmus für den alten Norden mit den Besuchern zu teilen. Aus unseren Gigs ist jedenfalls noch niemals jemand enttäuscht herausgekommen.“

© Eckbert, 21.01.2005

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