Interview: KROMLEK
Titel: Bajuwarische Tanzmusik

Hier bleibt kein Auge trocken und Kriegerkehlen sowieso nicht. Ganz im Gegenteil. Denn dieses herzerfrischende Humppa Viking Metal-Sextett bläst mit seinem aktuellen Tonträger „Kveldridhur“ zum tosenden Sturm auf die Lebensfreude der Hörerschaft.

Die immens spielfreudige Schweinfurter Rhythmus-Schwadron setzt musikalisch auf Schmissiges: Ebenso quirlig wie massivmelodisch geschrubbte Riff-Hiebe sowie kernig-kraftvolle Takt-Salven, die sprunghafter und beschwingter wohl nicht sein könnten. Überschwängliche Begeisterung liegt in der Luft: Allzu selten hat man in den letzten Jahren solch vom Fleck weg überzeugendes Liedgut vernommen.

Finntroll sollten sich also schon mal warm anziehen, denn die mitreißend hymnischen Songstrukturen der sechs Bayern weisen hoch ansteckende Wirkungen auf. Ihre grimmig-schelmischen Gesichter sind mit kauziger Kriegsbemalung bepinselt, die impulsive Horde selbst ist in muffige Fellwämser gehüllt – denn so sehen sich Kromlek nicht nur am Lagerfeuer selbst am liebsten.

„Unsere bayerische – für Lokalpatrioten: fränkische – Heimat ist Swinforde [Schweinfurt; A.d.A.], eine provinzielle, industriell geprägte Kleinstadt inmitten der unterfränkischen Einöde. Den wichtigsten (Wende)Punkt markiert der Eintritt von Hrím und kurz darauf der von Hrísdólgr im März 2004. Ich spreche mittlerweile von diesem Zeitpunkt als `Bandgründung`, da zwar vorher bereits eine Formation bestanden hat, diese jedoch keinerlei nennenswerte Früchte getragen hat. Eine weitere wichtige Etappe waren die ersten Probeaufnahmen in Berlin im August desselben Jahres, in welchem sich zum ersten mal die `musikalische Spreu vom Weizen getrennt` hat. Den dritten und vermutlich – neben der eigentlich Gründung – wichtigsten Wegpunkt markiert der 19te März 2005, der Tag unseres Bühneneinstandes. Von da an, so kann man sagen, ging es rasant vorwärts“, faucht mir Sänger und Lyriker Alphavarg eingangs mit zischender Stimme zu.

Der Tatsache zum Trotze, dass er die Antwortenkapazität überbeansprucht, möchte er noch einen vierten Punkt aufführen: „Die Unterzeichnung des Vertrages mit unserem Label Trollzorn hat Kromlek einen Schub verpasst, der bis zum heutigen Tage anhält.“

Dann listet der Frontkerl die Besetzung und die Aufgabenverteilung seiner pfiffigen Waldhorde auf. „Ich bin wie gesagt am Mikro tätig, schreibe die Songtexte und kümmere mich um die optische Gestaltung der Band. Hrím zupft die Sologitarre, Hrísdólgr bedient die Keyboards und die Synthesizer und Forað agiert an der Rhythmusgitarre, während Galt unser Schlagzeuger und Perkussionist ist. Alex M. ist unser Tieftoner – wenn er mal keine Zeit hat, hilft uns Fiándi als Session-Bassist aus.“

Seine Freizeit widmet der gute Alphavarg laut eigener Aussage zum größten Teil seiner Beziehung. „Der Rest geht drauf für gestalterische Arbeiten am heimischen PC. Die einzelnen Bandmitglieder führen privat sehr unterschiedliche Lebensstile und haben daraus resultierend logischerweise auch verschiedene Freundeskreise, weshalb wir selten etwas geschlossen außerhalb des Bandlebens unternehmen. Ich besuche dann und wann mit Hrím ein Konzert, aber vielmehr ist da nicht. Zum zweiten Teil deiner Frage: Wir sind nur dann aktiv, wenn wir selbst spielen, ansonsten haben wir mit der hiesigen `Szene` – wenn man sie denn so nennen will – nichts zu schaffen.“

Die Burschen sind stolz auf ihre Herkunft, wie man am bayrischen Wappen auf der aktuellen CD ersehen kann. Dies hat meines Wissens noch keine bayrische Band vorher gemacht; die meisten Truppen aus diesem Teil der Erde schämten sich wohl ihrer Herkunft. Der Vokalist offenbart hierzu:

„Nun, ich glaube, in dem Punkt sind wir wirklich Pioniere! Dass die Sache mit dem Wappen ein so weit reichendes Echo hervorrufen würde hätte ich beim Entwurf des Booklets nie gedacht. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um noch einmal die eigentliche Intention dahinter zu erläutern: Es geht mir gar nicht so sehr um einen explizit zelebrierten Lokalpatriotismus, sondern vielmehr darum, zu zeigen, dass – ohne, dass das jetzt vermessen klingen soll – gute Viking/Humppa/Folk-Bands nicht zwingend aus Finnland kommen müssen; oder kurz gesagt: Blau/Weiß muss nicht immer Finnland heißen! Wir kommen aus Bayern und wir stehen dazu, ja sind sogar stolz darauf, warum sollten wir das auch nicht sein? Die Skandinavier müssen nicht betonen, wo sie beheimatet sind, das hört man an ihrer Musik – selbst die Thüringer Pagan-Kapellen erkannt man. Nur Bayern ist noch etwas mager besiedelt. Da kommt primär das Flaggschiff Equilibrium, dann folgen die Newcomer Wolfchant, aber danach wird’s auch schon dünn. Dass sich aber jemand de facto für seine Herkunft schämt, ist mir bisweilen aber noch nicht zu Ohren gekommen. Das wäre auch Blödsinn, denn schließlich kommt es darauf an, an was man sein Herz hängt und wenn ein Bayer nun einmal für Viking Metal lebt, dann ist das so. Das bedeutet in meinen Augen Authentizität und nicht ein Formblatt mit Geburtsort oder Staatsangehörigkeit!“

Wir gingen dazu über, welche Bands von den einzelnen Beteiligten gerne gehört werden, um ein Bild über den musikalischen Hintergrund von Kromlek entstehen zu lassen. „„Puh, es ist immer relativ schwer, für sechs Leute den Pressesprecher zu machen, wenn es um solche Dinge geht wie persönliche Geschmäcker etc. – da kommt man nicht drum herum, an der einen oder anderen Stelle zu pauschalisieren. Ich werde im Folgenden einfach ein paar Namen nennen, von denen ich sicher bin, dass sie ein jeder in der Band unterschreiben würde: Windir, Moonsorrow, Turisas, Ensiferum, Amon Amarth, Thyrfing und Falkenbach. Ich für meinen Teil möchte noch Ayreon, Enslaved, Vintersorg, Borknagar, Hades Almighty, Kampfar, Einherjer, Mithotyn, Summoning und Orphaned Land als Metal-Einflüsse nennen. Darüber hinaus gilt meine Passion den Pop-Ikonen ABBA und BeeGees und aus dem aktuellen Bereich R.E.M. und Porcupine Tree. Außerdem liebe ich Weltmusik, besonders arabische und orientalische Klänge sowie lamaistische Mantras und Folklore aus dem Himalaja-Raum.“ Interessant. Nun, da verwundert mich die musikalische Bandbreite des Schweinfurter Sextetts überhaupt nicht mehr.

Trotzdem ist Kromlek primär ein stilisierter nordischer Mythos, so Alphavarg:

„Wir beschreiben musikalisch all jene emotionalen Empfindungen aus alten Tagen, welche uns von den Skalden bewahrt und durch die Edda vermittelt werden. Wir beschreiben Momente epischen Bombasts, nur um im nächsten Moment in folkloristischen Gefilden zu wandeln und mit der beschwingten Leichtigkeit finnischer Humppa zum Tanz zu animieren. Es ist uns wichtig, alle Emotionen ineinander wirken und greifen zu lassen, von rasender Wut über heroisches Pathos bis zu Wehmut über den einstigen Glanz vergangener Tage. Viele mögen behaupten, wir suchen noch unseren Stil, aber in Wahrheit haben wir ihn bereits gefunden: Getreu dem Motto `der Weg ist das Ziel` weigern wir uns strikt, in unserer Entwicklung zu stagnieren und uns auf einen einzigen Stil festnageln zu lassen. Signifikant bei uns sind auf jeden Fall die Dominanz des Keyboards und das experimentelle `Spielen mit Stilen`.“

Angesprochen werden soll mit der Musik von Kromlek zwar schon ein ganz bestimmtes Publikum, jedoch: „Aus Sicht des `Chefideologen` liegt meine Präferenz natürlich bei einer paganistisch gearteten Hörerschaft, allerdings freue ich mich über jeden, dem unsere Musik zusagt. Ich habe mehr als einmal eine positive Resonanz von Leuten bekommen, welche der Metal-Szene nicht ferner sein könnten. Und ich muss zugeben, so etwas berührt mich mehr als das Lob alteingesessener Konzert-Veteranen.“ Verständlich.

Ziel von Alphavarg war es schon seit jeher, seinen philosophischen Kosmos in das Medium zu übertragen, welches er als Universalsprache erachtet. „Musik ist elementarer und unmittelbarer erfahrbar als Sprache beziehungsweise Text. Die Musik ist ein Geschenk der Götter an uns, was also könnte befriedigender sein für einen spirituellen Menschen als die Früchte seines Geistes einem jeden durch die universelle Sprache der Musik näher zu bringen?“, stellt er mir eine berechtigte Gegenfrage.

Mich interessierte, was es dem spielfreudigen Sechser überhaupt bedeutet, als Band Kromlek zusammenarbeiten zu können? „Zusammenarbeiten zu dürfen trifft es glaube ich eher. Ich empfinde es durchaus als Privileg, mit derart talentierten und ambitionierten jungen Musikern an einem künstlerischen Werk aktiv mitzugestalten. Ich neige ja grundsätzlich zum Extremen und Exzessiven, weshalb ich es als umso wichtiger erachte, mit engagierten Leuten zu arbeiten, da ich mich 110%ig in das Projekt Kromlek reinhänge. Ich opfere gerne Zeit und Energie, wenn am Ende etwas Produktives dabei herauskommt und ich war mir nie sicherer als mit dieser Band. Das ist selbstverständlich meine persönliche, subjektive Sicht der Dinge, aber auch hier denke ich, dass meine Kollegen mir zustimmen würden und werden.“

Der aktuelle Output „Kveldridhur“ wurde nicht in einem Studio im eigentlichen Sinne aufgenommen, so Alphavarg.

„Vielmehr haben wir unsere Songs im Proberaum einer in unserer Region überaus bekannten Band namens Infernal Blasphemy mit Hilfe eines PCs aufgenommen. Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen von Seiten der Bandmitglieder als auch von Seiten unseres Soundmeisters Alex M. hat sich der gesamte Prozess in die Länge gezogen, obwohl wir faktisch nicht viel Zeit im Proberaum verbracht haben. Die Wartezeiten zwischen den Terminen haben den zeitlichen Rahmen gestreckt. Die Arbeit selbst kann ich mit zwei Schlagworten umreißen: Professionalität und Humor! Mehr brauche ich – denke ich – gar nicht mehr dazu zu sagen. Es war auf jeden Fall eine großartige Erfahrung. Wir gingen davon aus, dass es sich auch qualitativ um ein Demo handelt. Die meisten Demos klingen nun mal leider wie ein Knallfrosch in einer Blechbüchse, nicht aber unsere CD; wir waren – und sind es nach wie vor – begeistert von der glasklaren Produktion. Sicher hätten die Gitarren etwas druckvoller ausfallen können, aber für ein Debüt liegt `Kveldridhur` weit über dem Durchschnitt.“

CD-Reviews sind mittlerweile ein Reizthema für die Band geworden. „Viele Online-Magazine haben sich unsere CD vorgenommen und ihre Meinungen dazu kundgetan. Und so vielseitig wie die einzelnen Magazine, so mannigfaltig waren auch die Bewertungen – oder besser: die Bewertungskriterien. Es gab eigentlich keine wirklich negative Kritik, bis auf eine einzige. Dazu möchte ich einen kurzen Kommentar abliefern: Es handelt sich bei dem veröffentlichenden Medium um Schwermetall.ch, ein Schweizer Online-Magazin. Die schlechte Bewertung rührt daher, dass sich ein völlig artfremder Möchtegern-Journalist bar jeder Kompetenz gedacht hat, er lässt die Welt teilhaben an seinen puristischen Anti-Keyboard-Tiraden. Ich frage mich ernsthaft, was das soll. Niemand verlangt, dass jeder Keyboards mögen muss, aber wenn dem so ist, dann schreibe ich doch keine Rezension über eine von Keyboards dominierte Viking Metal Scheibe. Arme Kleingeister, die sich durch solche Publikationen profilieren müssen; aber wer weiß, was sie dadurch kompensieren wollen. Ein weiteres Ärgernis ist die Tatsache, dass sich in vielen Internet-Foren beim Thema Kromlek alles nur um eine scheinbar essentielle Frage dreht: Sind wir schon auf Finntroll-Niveau oder noch nicht? Also, so was Armseliges! Unser Anspruch ist da ein ganz anderer. Sie haben seit ihrem genialen Debüt `Midnattens Widunder` stetig abgebaut, ihr Werdegang ist wahrlich nicht nachahmenswert. Ansonsten sind die Reaktionen auf unsere Scheibe wahrhaft überwältigend. Wir bekamen bereits Emails aus England, den Niederlanden, Belgien und Russland – ganz zu schweigen von der überwältigenden Resonanz deutschlandweit.“

Circa im Alter von 14 Jahren schwenkte mein Gesprächspartner von The Prodigy, die er laut eigenem Bekunden nach wie vor sehr schätzt, und Rammstein so langsam über Grave Digger in die schwarzmetallischen Gefilde ab. Wir erfahren:

„Ich möchte jetzt kein großes Ereignis hochstilisieren, im Grunde lief es sehr unromantisch ab: Ich glaube, der faktische Wunsch, selbst Musik zu machen, reifte in mir als ich mir zum ersten Mal die gerade veröffentlichte Platte `Valdr Galga` von Thyrfing zu Gemüte führte. Das blieb irgendwie hängen und seitdem kam und kommt für mich als Grundstil nur Viking Metal in Frage.“

Wir klopften anschließend den Viking- und Pagan Metal-Bereich auf seine Kulissen ab. Und Alphavarg ist ganz klar der Meinung: „Mehr als alle anderen Genres ist Pagan Metal eine Einstellung; und die wechselt man ja auch nicht ständig. Die heidnische Komponente ist Teil eines künstlerischen Gesamtkonzepts, von Übersättigung möchte ich in dem Zusammenhang wirklich nicht sprechen. Und wenn mir ein Musikstil gefällt, dann ist es für mich doch umso besser, je mehr Auswahl ich habe. Ganz davon abgesehen, dass es unzählige Spielarten innerhalb des Pagan-Bereichs gibt, beispielsweise mit Keyboard, ohne Keyboard, Richtung Black Metal, mehr Richtung Death Metal und so weiter und sofort.“

Als Kromlek oder Cromlech werden die archaischen Menhirbauten als früheste Zeugen manifestierter menschlicher Religiosität bezeichnet.

„Prominentestes Beispiel ist wohl Stonehenge. Für mich und meine paganistische Lebens- und Weltanschauung steckt dahinter natürlich mehr, da jene Bollwerke tiefer Spiritualität nach wie vor jene uralten, kosmischen Energien birgen. Sie sind Tore zur Anderswelt.“

Soweit der Sänger es beurteilen kann, findet das Songwriting bei Kromlek sowohl aus dem Bauch als auch aus durchdachten Ideen heraus statt; wobei Zweiteres überwiegt.

„Es ist immer schwer als Nicht-Komponist, stellvertretend zu erklären, nach welchen Gepflogenheiten die Komponisten zu Rande gehen. Es läuft meistens so ab, dass sich Hrím und Hrísdólgr zuhause Gedanken machen und einzelne Melodielinien oder Riffs komponieren, welche sie dann im Proberaum vorführen. Anschließend wird ausprobiert, welche Teile kompatibel sind. So läuft es meistens.“

Einflüsse und Inspirationen sind für Hrím eindeutig dessen bevorzugten Bands, erzählt Alphavarg. „Hrísdólgr hingegen ist ein Mysterium, niemand weiß, woher er seine Inspiration schöpft. Doch welche Quelle es auch immer sein mag, möge sie nie versiegen! Meine Muse ist meine Religion. Ich bin ein völliger Kopfmensch, all meine Inspiration erwächst aus meiner Gedankenwelt, seien es mythologische, historische oder schlichtweg phantastische Themenfelder. Eckbert, du wirst lachen, aber teilweise sind die Songs meiner Kollegen Inspiration genug. Eine neue Melodie der beiden ist imstande, sofort Bilder im Kopf zu malen. Mein Job ist es, diese auszuformulieren.“

Und wie Alphavarg bereits bei meinen vorhergehenden Fragen anklingen hat lassen, sind die Texte von Kromlek elementar wichtig. Er informiert: „Sie bilden das lyrische Yang zum musikalischen Yin und konkretisieren die von der Komposition ausgehende Stimmung. Ich sagte ja eben, dass die Textinhalte sich sehr stark an die implizierte Atmosphäre der Stücke anlehnen, daher bedienen sie ein sehr breites Spektrum von emotionalen Ausbrüchen über humorvolle Anekdoten bis hin zu Schlachtaufrufen. Im Grunde bediene ich bis dato zwei große Themenfelder parallel: Zum einen die Troll-Thematik, auch ausgehend von den signifikanten Humppa-Anteilen in unserer Setlist. Hierbei handelt es sich zumeist um kleine, in sich geschlossene Geschichten mit Märchencharakter, welche aber durch einen losen Handlungsstrang zu einem Konzept vereinigt werden. Ich möchte noch einmal ausdrücklich betonen, dass die Texte vom Inhalt und vom Reim her nicht immer ernst zu nehmen sind, Humppa beinhaltet immer auch eine gewisse beschwingte Leichtigkeit mit einem hang zur Selbstironie. Das zweite, ernstere Themenfeld behandelt alles, was unter dem Oberbegriff Viking Metal zusammengefasst werden kann. Schlachthymnen, Oden an das Meer oder auch mythologische Exzerpte. Es ist schon mehr für mich als bloßes `Interesse`, es ist Spiegel meiner Denkweise und meines Glaubens. Besonders die ernsteren, philosophischen Texte geben oftmals Rückschluss auf meine durchweg paganistische Weltanschauung, wie sie tiefer und inniger nicht sein könnte. Um noch kurz auf den Titel `Kveldridhur` zu sprechen zu kommen: Dies ist ein altnordischer Terminus und bedeutet `Nachtreiter`; hierbei handelt es sich um mythologische Wesen. Ich wählte diesen Titel, weil er die bedrohliche Statik der Nacht mit der grimmigen Dynamik der düsteren Gestalten nordischer Mythen auf fantastische Weise verbindet. Ursprünglich sollte übrigens auch die Band selbst diesen Titel als Namen tragen.“

Kromlek waren bereits auf zwei Festivals in Thüringen zugegen und die Reaktion des Publikums und auch mancher Musikerkollegen war berauschend.

„Humppa ist eine Stilrichtung, die nur zu 50% von der Band ausgeht, die restlichen 50% müssen vom Publikum getragen werden – es ist ein Miteinander, denn Humppa lebt vom gemeinsamen Agieren. Das ist es auch, was mir an unserer Heimat missfällt. Der Franke ist in seiner Art sehr passiv und stur, sodass es schwer ist, die richtige Stimmung zu transportieren. Sicherlich sagen uns die Leute hier auch, dass sie von unserer Musik begeistert sind, nur äußert sich das zu unserem Leidwesen anders.“

Was für Alphavarg von vorneherein ein Muss war, ist die optische Untermalung, wie er mir zu verstehen gibt. Daher sind die Bühnenoutfits mit einigem Aufwand verbunden. „Neben Tuniken, Armschonern, Hörnern etc. haben wir auch einiges an Fellmaterial zusammengetragen – und die archaische Kriegsbemalung darf selbstredend auch nicht fehlen. Natürlich würde ich mir noch viel mehr wünschen, wie Gastmusiker, Feuershows, sumpfartige Bühnendekoration und so weiter. Leider ist das alles eine enorme Kostenfrage aber wir werden stetig daran arbeiten, schließlich sind wir auf die eine oder andere Art auch Dienstleister.“

Das kommende Debütalbum wird ab Juni 2006 aufgenommen werden. Es trägt den Titel „Strange Rumours… Distant Tremors“ und wird deutlich ernster sein als Kveldridhur.

„Für Humppa-Freunde habe ich dennoch eine gute Nachricht: Neben unserem offiziellen Album werden wir zusammen mit André Groschopp, dem Mastermind von Thiasos Dionysos, das Gemeinschaftsprojekt `Einvalalidh` veröffentlichen. Darauf werden alle Stücke zu finden sein, welche wir bereits während dem eingangs erwähnten Berlin-Aufenthalt aufnehmen wollten. Unser nächster größerer Live-Gig wird auf dem Pagan Nights Festival in Ringelai in Bayern zusammen mit Wolfchant, Vreid, Waylander und anderen stattfinden. Wenn ich etwas weiter nach vorne blicke, so bin ich der Überzeugung, dass 2007 unser Jahr werden wird, da wir bereits die mündlichen Zusagen für das Ragnarök Festival IV und das Ultima Ratio Festival haben.“

© Eckbert, 28.03.2006

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