Interview: KORPIKLAANI
Titel: Harte aber ergiebige Schufterei

Auch das neue Studioalbum „Karkelo” wird wieder, wie schon der geglückte 2008er Vorgänger, flankiert von einer speziellen Single, diesmal „Vodka“ betitelt. Und Letztere spricht wahrlich Bände in Sachen Folk Metal-Stimmungslust bei Korpiklaani – denn der aktuell so aufmunternde Waldauswurf der beständigen finnischen Gehölzbande strotzt geradezu vor überschäumender Feierlaune! Süffige Liedertitel wie beispielsweise eben „Vodka“, „Juodaan Viinaa“ oder auch „Bring Us Pints Of Beer“ sind auf jeden Fall sicherer vor Missinterpretation als eine ausgewachsene Elchkuh vor einer jungen Eintagsfliege. Wie mich der langjährige Korpiklaani-Bassist Jarkko Aaltonen mit gewohnt entspannter Stimmfärbung im Interview wissen lässt, ist „Karkelo” die erste Scheibe seines schluckfreudigen Haufens überhaupt, die er sich selbst privat auch gerne anhört.

Der Bärtige bekennt dazu ohne Umschweife: „Ich habe ja alle unsere Alben als fertige Produkte im Regal zuhause bei mir stehen, höre sie mir selbst allesamt bis heute aber niemals an – bis auf das neue Werk, welches mir besser gefällt als alle unsere Veröffentlichungen bisher. Die bisherigen Alben langweilten mich alle allzu schnell, was ich schon bei den finalen Arbeitsschritten dazu im Studio immer wieder bemerkte.“

Schon hatte der Tieftoner mit dieser Aussage die nächste Frage heraufprovoziert, was denn seiner Ansicht nach der gravierende Unterschied für die neuerlichen Hörvorlieben im Hause Aaltonen ist. Wir erfahren: „Dafür gibt es gleich eine ganze Latten an Gründen – der hauptsächliche ist aber, dass meiner Auffassung nach diesmal einfach die besseren Songs auf der Scheibe sind. Und wichtig zu wissen ist in diesem Kontext auch noch, dass wir dieses Mal einen neuen Produzenten für das neue herangezogen haben, welcher mit seinen vielen wirklich tollen Ideen aus den neuen Liedern doch noch so Einiges herausholen konnte: Nämlich Aksu Hanttu in den finnischen Grooveland Studios. Eigentlich starteten wir die Aufnahmen zu `Karkelo` in den Petrax Studios, dort wurde das Schlagzeug aufgenommen. Aksu zeigte uns in beeindruckender Manier auf, was er selbst unter einem Produzenten versteht – er versah also die neuen Kompositionen nicht nur einfach mit prächtigen Soundgewändern, sondern beriet uns darüber hinaus auch noch bestmöglich was die Lieder selbst anbelangt.“

Was sich hier aber so höchst erfreulich liest, war laut nachfolgender Aussage von Jarkko beileibe kein leichtes Unterfangen für ihn und seine Bandkumpane. „Da wir ja jahrelang mit demselben Produzenten eng Album für Album zusammenarbeiteten, wussten wir es verständlicher Weise nicht besser. Doch Aksu, ganz Leidenschaftsmensch und voll in seiner Arbeit verhaftet, ließ uns so manchen Part immer und immer wieder spielen, in teilweise ständig neuen Variationen – manchmal ging mir das ehrlich gesagt schon ganz gewaltig auf den Zeiger. Wir mussten echt ganz schön hart ran, ständig stellte Aksu das gerade Aufgenommene in Frage und lockte uns mit gewissen Bemerkungen dazu ordentlich aus der Reserve. Ganz typisch war in diesem Kontext beispielsweise die beinahe notorisch immer wiederkehrende Frage: `Bist du dir wirklich ganz sicher, dass du den Part auf genau diese Art und Weise spielen willst?`, oder auch `bist du wirklich glücklich damit, was du da hier gerade vorgetragen hast?`. Damit kann man schon manchmal sprichwörtlich zum Wahnsinn getrieben werden! Am schlimmsten war es ehrlich gesagt immer genau dann, wenn wir im Kollektiv meinten eine neue sehr gute beziehungsweise optimierende Idee am Start zu haben, und er dann ankam und allen Ernstes meinte: `Die Idee ist scheiße!`. Aber am Ende waren wir doch allesamt sehr froh über ihn beziehungsweise seine durch und durch unverblümte Ehrlichkeit, als wir dann endlich das superbe Endresultat zu hören bekamen. Und wir haben dadurch ja auch nicht zuletzt gelernt, als Musiker noch viel mehr als je zuvor auf feinste kompositorische Details zu achten, wofür wir auch sehr dankbar sind.“

Wie der gemütliche Bassist dazu noch anschließend mit tiefer Stimmfärbung ergänzt, werden die Fans durch erwähntes neuartiges Produktionsprozedere schnell ein neues interessantes Klangbild auf „Karkelo” ausmachen können. „Ja, die neue Scheibe klingt ganz besonders eindeutig viel mehr an den Gitarren orientiert als es bei unseren Vorgängerplatten der Fall war. Zum Glück ist Aksu nicht auf Musik wie die unsere fixiert, er hört und mag eine ganze Vielzahl von wirklich unterschiedlichsten Stilistiken. So trat er gewissermaßen als `Genre-Outsider` an uns heran, was uns in diesem Fall jedoch nur Recht sein konnte. Ehrlich gesagt war es sowieso schon lange mal Zeit für einen neuen Gesamtsound bei uns. Ich sage: Man sollte doch auch als Musiker in einem so speziellen Genre wie dem welches wir bespielen immer offen für Neues sein – Stagnation bedeutet auch hierin den absoluten kreativen Tod. Deswegen ließen wir auch all die Studiostrapazen nach relativ kurzer Zeit insgesamt ganz gerne über uns ergehen, denn wir ahnten wohl schon allesamt intuitiv, dass die Schinderei doch nur zu unserem Allerbesten sein wird. Hört man sich `Karkelo` also sehr aufmerksam an, stellt man relativ schnell fest, dass uns also gar nichts Besseres passieren konnte.“

© Eckbert, 27.05.2009

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