Interview: KAMPFAR
Titel: Aus der Abgeschiedenheit

Mit dem gelungenen 2006er Comeback-Werk „Kvass“ konnten diese überzeugten Schwarzmetall-Wikinger erneut ein festes Bein die Tür des Genres stellen. Dementsprechend wieder selbstsicherer in ihren Möglichkeiten, machten sich Kampfschreier Dolk und seine Epiker-Horde nicht allzu lange Zeit später ans Songwriting für den ersehnten Albumnachfolger – welchen Kampfar nun in Form des neuen Langspielers „Heimgang“ stolz präsentieren. Und abermalig können sich eiserne Anhänger von atmosphärisch dichtem Viking Metal an majestätisch getragenem Liedermaterial laben. Pragmatische Puristen, wie sie nun mal bekanntermaßen seit jeher sind, lassen die vier Beteiligten dennoch ihrer unbändigen Verspieltheit aktuell völlig freien Lauf, somit geht die Platte mit ausgeprägtem Variantenreichtum einher. In wunderschöne Tonleiter-Details verwunschen klingender Anmut haben sie sich auch noch hörbar Hals über Kopf verliebt – was auf „Heimgang“ einer höchst erquicklichen Anzahl an überraschend eingängig melodisierten Wonne-Momenten sämtliche Tore weit öffnet. Als Gevatter Dolk und sein niederländischer Schlagwerker II13 meinen Weg kreuzten, entbrannte mal wieder rasch ein von immensem Mitteilungsdrang geprägter Männer-Disput.

„Kürzlich bin ich endlich in eine verschlafene Kleinstadt namens Larvik gezogen, inmitten der Provinz Vestfold, eröffnet mir Stadtflüchtling Dolk, „und ich hätte es nicht besser wählen können, um ehrlich zu sein! Denn das Leben hier in Larvik geht sehr langsam vor sich. Ich habe ein Haus bezogen, in sehr idyllischer Lage. Zudem findet man hier wirklich die allerschönsten Wälder, Flüsse und Fjorde vor – ich bin also vollends glücklich hier. Total `kampfarisch`, so liebe ich es. Doch natürlich bahnt sich hier auch gleich wieder eine Art Alltag an, welchen ich mit Kampfar und meiner Freundin meistere.“

Stockschwinger II13 hingegen verschlug es in die Niederlande, was seiner Aussage nach vor zwei Jahren geschah:

„Glücklicherweise ist es auch von hier aus noch immer recht einfach, in Verbindung mit Norwegen zu bleiben, was auch hauptsächlich für Live-Gigs mit Kampfar gilt. Ich wohne ja noch immer nahe am Herzen Europas, was meine Belange mit der Band auch neuerdings leicht umsetzbar macht. Ansonsten halte ich meine eigene Balance, so gut es eben geht – mein Alltag schleift mich manchmal ganz schön, zum Glück kann ich bei Kampfar mitspielen, was doch immer wieder erhebende Lichtblicke für mich mit sich bringt.“

Wie Dolk anschließend bekundet, hockt er sich noch immer mehrmals pro Jahr für einige Tage abgeschottet in seine Berghütte, welche nicht weit entfernt von der Ortschaft Hemsedal gelegen ist. „Das werde ich auch nicht aufgeben, schließlich verkrieche ich mich da oben schon seit meinem fünften Lebensjahr. Tatsächlich sind beinahe sämtliche der neuen Songtexte für `Heimgang` da oben entstanden – ich liebe diesen Platz über alles, denn es umgibt ihn eine ganz spezielle Aura. Ich hoffe und schätze gleichermaßen, dass ich mich irgendwann später in meinem Leben irgendwann komplett in diese Hütte verkrümeln kann.“

Hört man die neuen Kompositionen der Norweger Urgesteine, so fällt rasch eine gewisse Ausgewogenheit auf – kein Wunder, so II13, denn die Zusammenarbeit der Bandmitglieder ist ja auch noch immer verdammt gut aufgeteilt. „Auf rein musikalischer Ebene zimmert unser Gitarrist Thomas die Melodien zusammen, welche er mit mir zusammen ausarrangiert, bevor es ans Aufnehmen geht. Dolk hingegen kümmert sich um alles vokaltechnische, während Tieftoner Jon seine schwer klingenden persönlichen Noten einbringt – er trägt noch immer einen entscheidenden Anteil zu unserer Heavyness bei.“

Und außerhalb der Musik an sich fungiert Dolk noch immer als Sprachrohr und hält die Verbindung zum Plattenlabel der Truppe aufrecht, wie der Drummer weiter informiert:

„Der gute Jon kümmert sich wacker um visuelle Aufgaben und das ganze Internet-Zeug. Ich selbst fungiere als Konzert-Booker und trage die Verantwortung für unsere Bühnenauftritte sowie die Reise-Arrangements von Kampfar.“

Wir gingen über zum Inhalt von „Heimgang“ an sich, Dolk expliziert hierzu, resümierend:

„Was meinen Teil der Arbeit am neuen Album anbelangt, so lief das Ganze diesmal doch um einiges anders als es die vorherigen Male beziehungsweise Alben der Fall war. Es gestaltete sich nämlich außerordentlich schwierig diesmal, die Songtexte zu erstellen, somit verbrachte ich noch mehr Zeit als sonst in der Hütte, in totaler Einsamkeit und Abgeschiedenheit. Das größte Problem für mich dabei war, die direkten Strukturen der Texte völlig auf sich selbst zu stellen, soll heißen, dass die `lyrischen Rhythmen` diesmal viel bewusster und eigenständiger von mir zusammengefügt wurden, ohne allzu sehr an den jeweiligen Song an sich dabei zu denken. Zuvor habe ich mich ja immer bemüht, meine gesungenen Worte direkt an die einzelnen Riffs von Thomas anzupassen und diesen auf eine gute und passende Weise zu folgen. Diesmal allerdings mutete es daher eher so für mich an, als würden meine Texte allesamt immer wieder ein `eigenes Lied` für sich ergeben, somit hatte ich am Ende stets `zwei Lieder` zusammenzufügen. Das war definitiv etwas völlig Neues für mich, wenn auch etwas Hochinteressantes.“

© Eckbert, 23.08.2008

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