Interview: HEIDEVOLK
Titel: Mit bewährter Charakteristik

Sich als Künstlervereinigung ständig weiterzuentwickeln, das steht jeder ernsthaft an sich arbeitenden Band auf dieser Welt zweifelsfrei voll und ganz zu. Dabei aber so herausragend qualitativ und so wunderbar stilvollendet zu werden wie es bei diesen holländischen Noten-Rabauken aktuell der erfreuliche Fall ist, das bleibt den allermeisten Musikern wohl zeitlebens verwehrt. Heidevolk gehen auf ihrem brandneuen und vierten Album „Batavi“ nämlich mit dermaßen verblüffender Akkuratesse an ihr hochhievend hymnisches Werk, dass dabei schon von gar riesigem Niveau zu schwärmen ist. Was sich da also in der östlichen Mitte der Niederlande in Arnhem im Jahr 2002 als ein Haufen von ungestümen und wilden Heidenmetallern zusammenraufte, das ist nun als absolute Top-Truppe des Folk-, Viking- und Pagan Metal-Bereiches zu erleben. Das ansteckend inbrünstige Sextett wartet dazu mit einer überaus genussreichen Besonderheit auf: Die beiden Frontmänner Joris Boghtdrincker und Mark Splintervuyscht teilen sich betörend heroisierte Klargesänge, welche auf „Batavi“ tatsächlich so homogen arrangiert erschallen, dass es erbaulich betroffen macht.

„Der große Pagan-, Viking- und Folk Metal-Boom der vergangenen Jahre mag in der Tat vorbei sein, aber die Spitze der darin aktiven Gruppen hat das Ganze doch ganz gut überlebt, denke ich. So hochgradig populär und einflussreich wie beispielsweise Death- oder Black Metal es noch immer ist, war unser Metier ohnehin nie. Wie alles im Leben konnte ja auch die Blütezeit des heidnischen Metal nicht ewig andauern. Man wird sehen, ob ein relativ beständiger Stamm an Bands und Fans der Sache treu bleibt, oder ob das Ganze in absehbarer Zeit im Vergessen verschwindet. Aber ich glaube es nicht. Solange weiterhin gehaltvolle und originelle Alben veröffentlicht werden, und solange es beflissene Protagonisten in der Szene gibt, die ,ihre‘ Musik wirklich lieben, solange bin ich persönlich jedenfalls ein sehr glücklicher Mensch“, freut sich Joris Boghtdrincker mit strahlend erhellter Miene.

So haben Heidevolk offensichtlich genau kapiert, dass es für sie wichtiger als jemals zuvor geworden ist, taufrisch und absolut unverbraucht anmutendes Kompositionsgut anzukarren, um noch an den vorderen Plätzen mitmischen zu können. Joris zeigt sich dazu auch aktuell mal wieder voller Überzeugung:

„Mit unseren sehr markanten dualen Klargesängen, den niederländisch Lyriken und den speziellen thematischen Inhalten fühlen wir uns der internationalen Konkurrenz gegenüber schon sehr gut gewappnet. ,Batavi‘ ist trotz aller rabiaten Attitüde und trotz allem metallischem Biss zudem so breitentauglich geeignet, dass sich diesmal ganz bestimmt eine Menge Leute dafür erwärmen können, denen Viking-, Pagan- und Folk Metal an sich bislang eher weniger gegeben hat.“

Letzteres sieht der Heiden-Barde aber auch darin begründet, wie er offenbart, dass Heidevolk diesmal eine ganze Menge an eindeutig traditionellen Metal-Elementen einfließen haben lassen.

Und so berichtet der merklich sehr beherzt agierende Mann angeregt weiter über die neue Heidevolk-Veröffentlichung „Batavi“:

„Diese Platte bietet den Hörern um einiges mehr ,Metal‘, als es bei uns je zuvor zu hören gab. Mehr Härte und mehr Aggression, aber alles im bestens bewährten Heidevolk-Stil, mit all unseren spezifischen musikalischen Charakteristiken. So brachte sich für ,Batavi‘ sogar unser seit 2010 bei Heidevolk aktive zweite Live-Gitarrist Kevin Vruchtbaert an den sechs Saiten vereinzelt mit ein. Kenner unserer Lieder werden zudem auch eine Veränderung im Gesamtsound an sich registrieren, denn die neue Produktion ist direkter und brutaler als es auf unseren früheren Veröffentlichungen der Fall war. Auch haben wir vermehrt auf chorartige Vokalisierungen gesetzt, was unserem Auswurf diverse neue Dimensionen und sehr interessante Kontraste ermöglicht.“

Bevor diese standhaften Recken ans Songwriting für ihr neues Langeisen gingen, so Joris nachfolgend, entschieden sie sich dazu, den Silberschild zu einem spannenden Konzeptalbum werden zu lassen.

„Wir wählten als Hauptthema schließlich die frühe Historie der westgermanischen Bataver-Stämme, welche in erster Linie für ihre ausgeprägten Talente beim Reiten und Schwimmen bekannt sind. Ihr Mut und ihre Tüchtigkeit zeichneten sie ebenfalls aus. Nach einiger Zeit der Recherche erstellten wir eine spannende Story, welche wir in neun Kapitel beziehungsweise Lieder unterteilten. Anfänglich betrieben wir das Songwriting noch derart, dass wir für jedes Kapitel auf ,Batavi‘ noch individuell arbeiteten. Doch gingen wir dann im späteren Verlauf unserer Bemühungen dazu über, einfach nach vorne zu arbeiten und hinterher zu entscheiden, welche unserer Ideen wohin am allerbesten und schlüssigsten passt.“

Primär fokussiert, so der Vokalist weiter dazu, wurden im Zuge dessen von der Heidevolk-Meute all die intensiven Gefühle und aufreibenden Stimmungen, welche zu damaliger Zeit in den streitbaren Batavern wohl vorgeherrscht haben müssen.

„Es muss alles andere als leicht für diese Krieger gewesen sein, als sie sich tapfer und entschlossen ihren Feinden stellten, um in einer sehr turbulenten geschichtlichen Ära zu überleben. Am Ende hatten wir aber schließlich dann, was wir dafür geplant hatten: Eine zusammenhängende Auswahl an Songs, die um ein solides Konzept herum gebaut worden sind.“

© Eckbert, 03.02.2012

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