Interview: ELUVEITIE
Titel: Auf der Erfolgsleiter

Als Vokalist und Instrumentalist Christian „Chrigel“ Glanzmann und seine spielfreudige Eidgenossentruppe Anfang dieses Jahres ihren zweiten Langspieldiskus startstark ins hungrige Pagan Folk Metal-Metier schleuderten, atmete wohl eine ganze Subkategorie erleichtert auf. Denn die nach wie vor hoch ambitionierten helvetischen Heidenepiker bewiesen mit ihrem superben Studioalbum „Slania“ in musikalisch rundum beeindruckender Manier, dass es ihnen mit ihrer edlen Kunst gleichfalls ernst wie wichtig ist. Eluveitie priorisierten für dieses erneut zeitlos schöne Hörerlebnis primär wuchtig dynmische Melodic Death Metal-Parfourceritte, welche dem schweizerischen Oktett auf der Scheibe als äußerst probates Podium für haltlos mitreißende Gefühlsausbrüche dienen. Mit leistungsstarker neuer Plattenschmiede im Rücken konnte da ohnehin nicht viel schief gehen, und so verlief die schwerstmetallische Erfolgskurve für das achtköpfige Idealistenensemble wie zu erwarten steilst nach oben. Spürbar obenauf war auch der gute Chrigel mal wieder, als er mich zu einer erneuten Interview-Audienz bat.

Der sich wie stets auch diesmal sehr herzlich gebärdende Frontmann, der sich zum Gesprächszeitpunkt bereits auf die nächsten umfangreichen Touraktivitäten mit seiner treuen Mythikerhorde freut, ist Feuer und Flamme für das neue Frontcover der demnächst anstehenden Eluveitie-Veröffentlichung:

„Das Bild zeigt eine Darstellung von Cernunnos, der altkeltischen Gottheit der Natur und der Fruchtbarkeit – denn das kommende neue Album wird voll und ganz im Zeichen der gallischen beziehungsweise frühkeltischen Mythologie stehen. Es wird daher auch ausschließlich gallische Texte beinhalten: Größtenteils also originale Lyriken, sprich, über 2.000 Jahre alte mythologische Texte, die bei Ausgrabungen gefunden wurden, beispielsweise als Steinritzungen etc.”

Wie der stimmbandstarke Kehlenkönner mir im Weiteren noch dazu erläutert, dürfen sich die zahlreichen internationalen Anhänger der Band auf ein reines Akustikwerk freuen: „Ja, der Titel der CD wird `Evocation I` sein, und die Platte ist der erste Teil eines zweiteiligen Konzeptes. Worum es da genau geht, wird hier noch nicht verraten, nur soviel: Alles dreht sich wie gesagt um uralte gallische Mythologien – wir lieben diese Thematik über alles, und sind froh, sie für unsere Musik so derart ergiebig verwenden zu können.”

Und, erstmal in ihrer verdient toll verlaufenen Karriere bislang konnten Eluveitie mit „Slania“ sogar auch Hörer außerhalb der sonstigen limitierten Kreise von Spartenenthusiasten auf ihre Seite ziehen, so Chrigel: „Darüber waren wir wirklich sehr angenehm überrascht – unglaublich, aber wir erhielten diesmal immens viel begeistertes Feedback von Leuten, die sich bislang gar nicht für heidnischen Metal interessierten. Das ehrt uns beziehungsweise unsere Musik doch sehr! Klar, wir sind ja in allererster Linie eine Celtic Folk Metal-Band, aber durch die diesmalig wirklich hervorragende Produktion des Albums traten unsere Melodic Death Metal-Eruptionen ganz besonders prägnant hervor, und das zog und zieht eben noch immer die Aufmerksamkeit von Fans aus dieser Ecke auf sich. Melodic Death Metal ist halt noch immer eine unerhört populäre Stilistik, und davon profitieren wir im aktuellen Fall schon enorm – genauer gesagt hat uns eigentlich gar nichts Besseres passieren können“, lacht der raukehlige Barde vergnügt.

Was viele der Eluveitie-Verehrer zunächst geschockt hat, war der überraschende Ausstieg der beiden Kirder-Brüder Rafi und Sevan, ihres Zeichens jeweilig am Bass und an den Flöten – wir erfahren dazu: „Wir bedauern es auch sehr, aber es ließ sich eben beim besten Willen nicht vermeiden. Wir trennten uns jedoch absolut im Guten. Bei unserer letzten USA-Tour wurde es den beiden endgültig zuviel; sie konnten und wollten laut eigener Aussage nachfolgend ganz einfach nicht mehr so derart viel Zeit und Energie für Eluveitie aufbringen. Sie spielen ja auch noch aktiv in ihrer Irish Folk-Band Red Shamrock, und da wir mit Eluveitie immer erfolgreicher werden und immer noch mehr auf Tour gehen, fällten Rafi und Sevan diese Entscheidung. Diese neue Situation eröffnet für sie beide als auch für Red Shamrock und für Eluveitie viele neue Chancen, neue Wege. So ist der Lauf aller Dinge, es herrscht die stetige Veränderung. Das passt schon, gut sogar. Mit den Nachfolgern im Line Up kommen wir auch prima zurecht, und demnächst gehen wir allesamt wieder auf umfangreiche Tournee – die Daten sind wie immer auf unserer Webseite einzusehen. Wir freuen uns riesig auf die Fans!“

Und Red Shamrock sind laut Chrigel eine klasse Band – der Frontmann schwärmt: „Live kommen sie richtig gut an – sie sind auch nicht ohne Grund eine der erfolgreichsten Irish Folk-Bands der gesamten Schweiz. Ist schon witzig, wenn ich jetzt so daran denke: Eigentlich habe ich Sevan und Rafi eben genau wegen dieser Band kennen gelernt! Ich bin ja selbst auch schon viele Jahre als Folk-Musiker in der Schweizer Folk-Szene unterwegs. Und als meine liebe Frau Irène und ich im Jahr 2002 heirateten, wir veranstalteten eine keltische Hochzeit im Wald, trommelte ich uns vorab eine ansehnliche Horde von Folk-Musikern zusammen – für eine dicke Folk-Session während des geplanten Met-seligen Festes nach der Trauung. Und eigentlich eher zufällig stieß ich dabei eben auf Red Shamrock beziehungsweise Rafi und Sevan, und fragte sie, ob sie nicht auch Lust hätten, an unser Hochzeitsfest zu kommen, um dabei ein bisschen mitzududeln. Sie kamen. Da lernten wir uns eigentlich kennen. Während den Flitterwochen mit meiner Angetrauten begann ich dann damit, die ersten Songs für Eluveitie zu schreiben – die Idee dazu trug ich aber eigentlich schon seit vielen Jahren im Herzen herum. Und nach den Flitterwochen begann ich, Musiker für Eluveitie zu suchen. So nahm also alles seinen Lauf.“

© Eckbert, 17.09.2008

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